Neu bei Cigarworld: „Tasting Bundles“ für Pfeifentabak

Es ist schon erstaunlich, wie viele neue Pfeifenraucher in den letzten Monaten zur Pfeife gefunden haben- und immer noch finden! Anscheinend haben Frauen wie Männer in der gegenwärtigen Lage Lust, das Pfeiferauchen auszuprobieren. Wir freuen uns natürlich über so viel Zulauf und tun unser Bestes, um keinen Neu-Pfeifenraucher im Regen stehen zu lassen.

Ein Mittel dazu ist zum Beispiel den Kunden vorsortierte Pfeifen-Anfängersets anzubieten, die es mittlerweile eigentlich von allen größeren Herstellern gibt. Aus diesem Grunde haben wir die neue Kategorie Startersets eingerichtet, in der alle Sets sauber aufgelistet sind und in der unsere Kunden je nach Belieben und Brieftasche auswählen können.

Und auch wenn einige „alte Hasen“ über diese Sets die Nase rümpfen, bieten diese Zusammenstellungen doch alles, was man benötigt, um das Pfeiferauchen zumindest einmal auszuprobieren.

Aber beim Thema Tabak mussten sich die Einsteiger bisher noch immer in einem wahren Dschungel zurechtfinden. Das haben wir nun geändert – vorsortierten Sets in der neuen Kategorie „Pfeifentabak Tasting Bundle„, mit denen man sich von einer bestimmten Geschmacksrichtung oder Stilistik ein eigenes Bild machen kann:

Erhältlich sind folgende Sets:

  • Edition English Explorer. Drei Tabake mit Latakia, aber sanft und mild. Ideal für den Einstieg in diese Richtung.
  • Edition Fruchtige Tabake. Sie lieben es süß und fruchtig, finden sich aber in der Auswahl nicht zurecht? Wir haben drei leckere Tabake für Sie!
  • Edition Oldschool. Vier Klassiker, weder zu süß noch zu würzig. Seit Jahrzehnten bewährt, ein toller Einstieg.
  • Edition Vanille. Hier ist der Name Programm. Drei Tabake, die schmecken wie sie riechen: warm, rund und süß.
  • Edition Virginia Explorer. Drei Tabake, die einen idealen Einstieg in die sehr komplexe und vielschichtige Welt der Virginia-Tabake bieten.

Wir sind der Meinung, dass die ausgewählten Tabake jeweils einen guten und repräsentativen Einstieg in die jeweilige Richtung bieten. Natürlich ist unsere Auswahl subjektiv, dessen sind wir uns bewusst. Dennoch glauben wir, dass diese Auswahl vielen Pfeifenrauchern helfen wird, sich im „Dickicht“ der unterschiedlichen Mischungen zurechtzufinden.

Wird ausgebaut und fortgesetzt!

Viel Spaß beim Probieren!

Grundwissen: Ausblühungen und Deckblattverfärbungen

Ölig, glänzend, dunkel und makellos – bei dem Anblick eines solchen Deckblattes dürfte wohl jeder Aficionada und jedem Aficionado das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Makellose Deckblätter

Doch da es sich bei Zigarren um Naturprodukte handelt, ist die absolute Perfektion doch eher die Ausnahme. Insbesondere für Zigarrenneulinge stellen sich beim Anblick eines rustikaleren oder fleckigen Deckblatt regelmäßig einige Fragen. Wir wollen diesen Blogeintrag nutzen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

 

1. Zigarrenblüte

Da bestellt man sich seine erste Kiste, Kleinpackung oder Zigarren in Tuben und die Genußvorfreude weicht einem Schrecken: Flaum auf dem Deckblatt!

Tabakblüte

Häufig erreichen uns Anrufe oder Mails besorgter Einsteiger mit der Frage, ob Ihre Zigarren verschimmelt sein. In beinahe allen Fällen kann Entwarnung gegeben werden, denn bei den Ausblühungen handelt es sich überwiegend um die sogenannte Zigarrenblüte.

Unterscheiden lassen sich bedenklicher Schimmel und die unbedenkliche Zigarrenblüte anhand der Farbe, Struktur und der Position. Unerwünschter Schimmel ist grün-gräulich und frisst sich in die Zigarre rein, er ist meist nur schwer und nicht ohne Rückstände zu entfernen. Regelmäßig tritt Schimmel am Fuß, dem Brandende der Zigarre zuerst auf und frisst sich von dort aus in die Zigarre rein. Auch geht dies typischerweise mit dem schimmeleigenen unangenehmen Geruch einher.

Sollten Sie Schimmelbefall feststellen, so sollten Sie die Zigarre – auch wenn im Netz einige „Rettungsanleitungen“ zu finden sind – entsorgen.

Die weiß bis beige Zigarrenblüte hingegen findet sich überwiegend am Kopf der Zigarre oder verteilt auf dem Deckblatt. Sie hat keinen klaren „Startpunkt“ von wo aus sie sich ausbreitet. Diese Ausblühungen lassen sich ohne großen Aufwand entfernen und verschwinden rückstandslos, es reicht ein vorsichtiges Abreiben. Auswirkungen auf das Abbrandverhalten oder den Geschmack haben die Ausblühungen nicht. Zigarrenblüte tritt gehäuft bei Tubos und kleineren Kartonagepackungen auf.

Der häufigste Grund für das Entstehen der Tabakblüte ist recht simpel erklärt: Durch das Sinken der relativen Luftfeuchte und einem höheren Wasseranteil in der Zigarre gegenüber der Umgebungsluft gibt diese ihre Feuchtigkeit nach außen hin ab. Hierbei verbleiben Salze und Mineralien auf dem Deckblatt zurück und lagern sich ab.

 

2. Deckblattflecken

Häufiger als Ausblühungen auf dem Deckblatt sind vielmehr Verfärbungen desselben.

Grüne Verfärbungen

Grüne Deckblattflecken

Grüne Verfärbungen sind vergleichsweise häufig anzutreffen und auch hier schrillen bei einigen Neulingen die Alarmglocken: Schimmel!

Aber auch hier gibt es Entwarnung, denn die grünen Stellen sind nichts weiteres als Chlorophyllansammlungen. Erfolgt der Trocknungsprozess der Tabakblätter aufgrund zu geringer Luftfeuchte und zu hohen Temperaturen zu schnell, wird das Chlorophyll nicht vollständig abgebaut. Es kommt zu teilweise grünen Verfärbungen der Deckblätter. 

Eine negative Auswirkung auf das Abbrandverhalten oder gar den Geschmack kann man nicht feststellen.

 

Gelbe Verfärbungen

Gelbe Deckblattflecken

Erfolgt die Tabaktrocknung bei zu geringer Feuchtigkeit, kommt es an einigen Stellen zu einer Verdickung gelber Pigmente und einer auch die Fermentation überdauernde Verfärbung des Deckblatts.

 

Schwarze Verfärbungen

Trocknen die Tabakblätter unter zu hoher Luftfeuchtigkeit, wird der in den Blättern enthaltene Zucker nicht gänzlich abgebaut und die Stelle verfärbt sich dunkel. In der Regel haben auch diese Verfärbungen keine geschmacklichen Auswirkungen, bei einer sehr hohen Zuckerkonzentration kann eine solche allerdings wahrgenommen werden.

Schwarzer Deckblattfleck

Deckblattverfärbungen und Zigarrenblüte sind keine gravierende Mängel, sondern vielmehr kleine optische Makel, die das Rauchvergnügen nicht schmälern.

 

Genussvolle Grüße aus Düsseldorf,

Ihr Cigarworld Team

Eine Marke mit sehr langer Geschichte: Amphora Pfeifentabak

Unter den vielen Pfeifentabak-Marken, die wir heute auf dem deutschen Markt haben, gehört Amphora zu den Marken mit der längsten Geschichte. Ursprünglich war die Marke in den Niederlanden, bei der Firma Douwe Egberts, beheimatet. Manch einer kennt diesen Namen auch in Zusammenhang mit Kaffee. Dies kommt nicht von Ungefähr, denn Douwe Egberts (später mit Nachnamen de Jong) gründete schon im Jahre 1753 ein Geschäft für Tabak, Tee und Kaffee im friesischen Joure. Das Geschäft florierte und man errichtete dort nach und nach eine eigene Produktion für Kaffee und Tabak.

  

Da man sich bestens auf die Vermarktung der eigenen Produkte verstand, wurde auch schnell das Ausland aufmerksam auf die Tabake aus Friesland, wie dieses Dokument aus dem Jahre 1956 zeigt.

 

Dieses Dokument beweist im Übrigen auch, dass es einst einen Amphora Flake gab (lies gut mit, Per Georg Jensen), sowie einen Amphora Rubbed Cut Flake. Dieser Sachverhalt wurde lange, auch unter niederländischen Pfeifenrauchern, kontrovers diskutiert.

Bei Douwe Egberts feierte man 1953  200-jähriges Firmenjubiläum, und der Fiirma wurde von der niederländische Krone das Recht übertragen, den Namenszusatz „koninklijke“ also „königlich“ zu führen.

Zu den Tabakmarken gehörten auch Van Nelle und Drum, die vielen Zigaretten-Drehern ein Begriff sein dürften.

Natürlich war die Firma immer sehr aktiv auf dem europäischen Markt. Aber schon früh zeigte sich, dass sich die USA zu dem größten einzelnen Absatzmarkt entwickeln würden.

Das abgebildete Dokument stammt aus den 60er Jahren und zeigt die von Douwe Egberts in die USA exportierten Tabakmarken.

In den 80er Jahren folgt eine Diversifizierung, das heißt, man erweitert das Sortiment um weitere Varianten der Marke Amphora:

Dies kam vor allem dem Bedürfnis der Pfeifenraucher nach milderen und süßeren Tabaken in dieser Zeit entgegen. Aus dieser Zeit dürfte auch dieses Pouch stammen:

 

Mit dem Begriff „Cavendish“ wurde schon früh geworben. Und die Marke machte schon bald klar, wofür dieser Begriff steht. Denn offenbar war dieser Begriff schon damals Anlass zu Diskussionen:

Das, was einen Cavendish im holländischen Stil von einem Cavendish im amerikanischen Stil unterscheidet, ist also die Zeit, die in die Reifung des Endproduktes gesteckt wird. Dies hat man – wie oben zu sehen – offensiv herausgestellt.

In den 70er Jahren wurden, eher als „Merchandise-Artikel“, auch Pfeifen für Amphora von der Firma Gubbels (Big Ben) in den Niederlanden produziert. Teilweise hatten diese ein regulierbares „Zuluft-System“, um so den Zug zu steuern.

Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen erfolgte der Export nach Japan übrigens über den Umweg über die USA, wie diese Export-Liste naheliegt. Man beachte auch die anderen Pfeifentabak-Marken, sowie die exportierten Mengen:

Das Geschäft mit den USA florierte, und man bewarb den Umstand, dass man die No.1 unter den importierten Pfeifentabaken in den USA war:

Die Geschichte von Douwe Egberts und Amphora hätte noch lange so weitergehen können. Allerdings trennte man sich im Jahre 1998 komplett vom Tabakgeschäft und verkaufte die Marken und Produktionsstätten an Imperial Tobacco. Aus damit zusammenhängenden, rechtlichen Gründen war damit der Export in die USA von diesem Zeitpunkt an nicht mehr möglich. Notgedrungen befasste man sich nun mit anderen Märkten, vor allem in Europa. Aus dieser Zeit stammen die folgenden Dokumente, die dafür bestimmt waren, den Imperial-Mitarbeitern die Marke Amphora näher zu bringen:

Mit diesem Sortiment wurde 1998 bei Imperial gestartet. Viele dieser „Gesichter“ kennt man auch heute noch sehr gut:

Die Hauptmarke blieb aber nach wie vor Amphora Full, der wie folgt charakterisiert wurde:

Wir finden, dass die Beschreibung des Amphora Full auch heute noch zutreffend ist. Im Gegensatz zu den anderen Varianten ist hier Orient enthalten, der ihm seine leicht fruchtig-blumige Note gibt.

2006 trennte sich auch Imperial komplett von der Herstellung von Pfeifentabak. Die Fabrik im friesischen Joure produziert ab diesem Zeitpunkt nur noch Zigaretten und Feinschnitt, dies auch heute noch. Aber der nächste „Player“ kam schon ins Spiel. Mac Baren in Dänemark wird Lohnhersteller für Imperial und fertigt ab September 2006 die Imperial- Sorten für den Weltmarkt.

Ab dem Jahr 2015 zieht sich Imperial komplett aus diesem Geschäftsbereich zurück. Mac Baren erhält somit die Gelegenheit, die Marken zu kaufen und Herstellung sowie Vertrieb zukünftig selbst in die Hand zu nehmen.

Für die Marke Amphora war dies ein Glücksfall, denn nun hatte man endlich wieder die Gelegenheit den amerikanischen Markt zu beliefern, was von vielen Pfeifenrauchern dort wahrlich gefeiert wurde. Anfangs hat man noch mit einem etwas angeschlagenen Image zu kämpfen, denn Tabake die im Pouch verkauft werden, werden in den USA eigenartigerweise als „billig“ wahrgenommen.

Aber spätestens als man mit dem neuen Amphora Virginia auf den Markt kam, wurde die Skepsis besiegt. Bei diesem Tabak hat Mac Baren eine Technik eingesetzt, die erst erlernt werden musste, als man in die Produktion des St. Bruno Flake im Jahr 2006 einstieg. Nämlich das Heißpressen. Die Flakepressen werden dabei zusätzlich mit Dampf beheizt. Dies führt zu einem „Reifungsprozess im Zeitraffer“, was den Tabak deutlich runder und harmonischer macht.

Als weitere Ergänzung des Sortiments folgte der Amphora Burley sowie im letzten Jahr der sehr aromatische Amphora Kentucky, die beide ebenfalls heißgepresst sind. Freunde der aromatisierten Tabake hatten mit dem Amphora Special Reserve No.2 und dem Special Reserve No.8 ihre wahre Freude. Diese beiden Sorten kamen ziemlich zeitgleich mit dem Amphora Burley auf den Markt.

Abzuwarten bleibt es, wie die Entwicklung der Marke weitergeht. Zahlreiche Sorten wie der Rich Aroma, Mellow Blend, Original und Black Cavendish sind noch gar nicht auf dem deutschen Markt lanciert. Abgesehen davon birgt zum Beispiel der italienische Markt noch den Amphora English Blend, der noch nicht hierzulande angekommen ist. Nicht zuletzt haben wir auch herausgearbeitet, dass es einst einen Amphora Flake gab. Wenn das nicht nach einer Wiederauflage schreit, liebe Flakespezialisten von Mac Baren…

Abschließend möchten wir Sie einladen, in die Tabakwelt von Amphora einzutauchen. Mit ein bisschen Hintergrundwissen raucht es sich doch umso besser!

Vielen Dank an Arno van Goor, Scott Thile, Willi Albrecht für das Zur-Verfügung-Stellen einiger Fotos und Dokumente, sowie die Erlaubnis, sie zu zeigen.

In eigener Sache: Zahlreiche Pfeifen-Neuheiten bei Cigarworld!

Da die üblichen Fachmessen, zum Beispiel die „Intertabac“ im September letzten Jahres, abgesagt wurden, kommen die Hersteller nun kontinuierlich mit Neuheiten und überraschen den Fachhandel mit neuen und interessanten Ideen. Dies ist einer der Gründe, warum wir gerade in letzter Zeit eine wahre Flut von neuen Artikeln bei uns im Shop haben. Der andere Grund sind lang angebahnte Projekte, die nun endlich Früchte tragen. Dazu aber später mehr. Wir wollen ihnen hier einen kurzen Einblick geben, welche Pfeifen sie schon jetzt oder in naher Zukunft bei uns im Shop finden und welche besonders Beachtung finden sollten.

CPW Meerschaumpfeifen aus der Türkei

Meerschaumpfeifen fristen seit einigen Jahren geradezu ein Schattendasein im deutschen Fachhandel. Wir haben uns vorgenommen, dies zu ändern, und mussten uns durch ein wahres Dickicht an Machern, Händlern, Vertriebswegen und Sprachbarrieren kämpfen. Aber wir sind fündig geworden! Zunächst möchten wir Ihren Zuspruch testen und schauen, wie die türkischen Blockmeerschaumpfeifen aus dem Hause CPW ankommen. Sollten sie sich größerer Beliebtheit erfreuen, werden wir das Sortiment ausbauen.

Meerschaum ist ein poröses, feuerfestes Mineral, das in der besten Qualitätsstufe nur in Anatolien abgebaut werden kann. Durch ein Exportverbot des Rohstoffes sind fast ausnahmslos alle Meerschaum-Pfeifenschnitzer vor Ort, in der Türkei. CPW verwendet nur die besten Qualitäten. Anders als Bruyère, kann man Meerschaum nur in Handarbeit bearbeiten. So ist jede Meerschaumpfeife tatsächlich eine Freehand. Die Mundstücke sind aus Acryl und ebenfalls handgemacht. Unsere Pfeifen sind mit 9mm-Bohrung. Sie sind es wahrscheinlich gewohnt, das der Filterzapfen im Mundstück sitzt. Hier ist es aus Stabilitätsgründen umgekehrt. Der Zapfen ist in den Pfeifenholm eingedreht, das Mundstück wird aufgesetzt. Der Zapfen wird nicht verklebt, um eine Beeinflussung bei der Durchfärbung und geschmackliche Einbußen zu vermeiden. Viel Spaß beim Entdecken der „Weißen Göttin“!

Peterson St. Patrick’s Day 2021

Jedes Jahr bringt der irische Pfeifenhersteller zum irischen Nationalfeiertag am 17. März eine kleine, limitierte Pfeifenserie auf den Markt, die irische Akzente setzt. Dieses Jahr ist dieser Akzent etwas kräftiger ausgefallen, denn die Mundstücke dieser Pfeifen strahlen im kräftigen Minzgrün! Kontrastiert wird das Mundstück durch sehr klassische Pfeifenköpfe und das traditionelle Nickelband. Die Oberfläche ist kräftig rustiziert. Greifen Sie zu, solange diese Pfeifen erhältlich sind!

Vauen Neuheiten Frühjahr 2021

  

Ab nächster Mitte nächster Woche finden Sie bei uns zahlreiche neue Pfeifen und auch einen neuen Tabak von Vauen. Die Jahrespfeife 2021 wird ebenfalls veröffentlicht. Dabei sind zum Beispiel eine neue, kleine Pausenpfeife sowie Pfeifen mit Meerschaumeinsatz. Der neue Vauen-Tabak „Tradition No.1“ ist limitiert, und wird Freunde von naturbelassenen Mischungen begeistern. Schauen Sie bei uns in den Shop!

Poul Winslow und seine Zweitmarke Crown

Poul Winslow Freehands sowie seine Zweitmarke Crown sind an sich zwar keine Neuheiten, aber wir haben eine ganze Menge neuer Pfeifen dem Shop hinzugefügt. Und wenn man das mittlerweile etwas fortgeschrittenere Alter des Meisters betrachtet, werden sich für ein so großes Update wahrscheinlich nicht mehr allzu viele Möglichkeiten bieten. Deshalb: Greifen Sie zu, solange es möglich ist. Sowohl die Poul Winslows als auch die Crowns gehören für uns zu den emfehlenswertesten Pfeifen überhaupt. Viel Spaß beim Aussuchen!

Charles Rattray: „All good Mixtures are dry“. Eine kurze Geschichte der Rattray’s Pfeifentabake

Die Geschichte von Rattray’s beginnt im Jahr 1911, als der junge Charles Rattray einen gut etablierten Tabak- und Pfeifenladen im schottischen Perth übernimmt. Lang hat er davon geträumt, seine Ideen für eigene Tabakmischungen umzusetzen, denn Tabak ist für ihn kein unbeschriebenes Blatt. In den Jahren zuvor ist er bereits bei größeren Tabakherstellern tätig, von denen es zu dieser Zeit in Schottland noch einige gibt.
Mit diesem Vorwissen ist der Grundstein für seinen Plan gelegt, vor Ort, in seinem Laden, eigene Tabakmischungen zu kreieren. Das nun „House of Rattray“ genannte Geschäft erwirbt sich einen ausgezeichneten Ruf für seine eigenen Mischungen und erlangt bald einen bis nach Übersee reichenden, fast legendären Ruf.
Charles Rattray hat dabei eine etwas andere Methode und Philosophie, Tabake abzupacken, zu lagern und zu reifen. Er hält zum Beispiel nicht von luftdichten, vakuumverpackten Dosen. Zitat: “ Tobacco is a vegetable that lives and breathes: It does not improve by being imprisoned in an air-tight compartment“
Und auch zum Thema Feuchtigkeit in Tabakmischungen hat er seine eigene Meinung. Zitat: „ If moisture is added – a familiar practice – the seasoning tobaccos are denued of their delicacy. All good mixtures are dry.“
Diese Herangehensweise setzt er konsequent um, unmittelbar nachzuvollziehen an den auch heute noch neun erhältlichen, originalen Mischungen, die Weltruhm erlangen:
Rattray unterscheidet übrigens zwischen „Scottish Mixtures“, nämlich jenen die syrischen Latakia und Mahalla Dubec Orienttabake enthalten und „All Virginian Tobaccos“. Keine dieser Tabake war in irgendeiner Art und Weise zusätzlich aromatisiert.
Diese Mischungen sind auch heute noch in 100g-Hochdosen erhältlich, die zwar fest verschlossen, aber nicht unter Vakuum verpackt werden. Dies gewährleistet eine optimale Reifung des Tabaks.
Charles Rattray stirbt 1964. Sein Sohn übernimmt das Geschäft, bis er Mitte der 80er Jahre die Türen schließen muss. Er war ein rühriger Geschäftsmann, der das Sortiment mit Fremdmarken und einem Zigarrenangebot ausbaut. Sein Sohn fügte dem Portfolio noch folgende beliebte Mischungen im selben Geiste hinzu:
Die beliebteste Mischung des ursprünglichen Sortiments ist der 7th Reserve. Im Firmenprospekt wird vor allem hervorgehoben, dass dies der richtige Tabak für diejenigen ist, die den ganzen Tag über Pfeife rauchen.
Rattray’s ist nie selbst ein Pfeifenproduzent. Aber es gab eine ganze Reihe „private Label“ Pfeifen, die in englischen Manufakturen für Rattray’s produziert wurden.
Heutzutage werden Rattray’s Pfeifen unter der Ägide des Markeninhabers Kopp Pipes bei renommierten Pfeifenmanufakturen in Frankreich und Italien hergestellt.
Es ist 1980, als der Laden in Perth schließt. Zuvor werden schon die Rattray’s Tabake bei Robert McConnell gefertigt, der eine kleine aber feine Tabakfabrik in London unterhält. So bleiben vorerst auch Rattray’s-Tabake, und zwar „Made in UK“, dem internationalen Publikum zugänglich. 1989 wird McConnell schließlich von der deutschen Firma Kohlhase & Kopp übernommen und die Produktion auf britischem Boden eingestellt. Zukünftig kommen die Mischungen aus dem norddeutschen Rellingen.
Alle Mischungen und Rattray’s-Tabake, die bisher nicht aufgezählt wurden, wie zum Beispiel die „Aromatic Line“, oder „Flake Collection“, gibt es erst seit wenigen Jahren und sind Werke der Firma Kohlhase & Kopp. Sie gehen damit deutlich mehr auf die aktuellen Nachfrage vieler Pfeifenraucher an süßen, aromatisierten Tabaken ein.
Zuletzt haben sich die Rattray’s Limited Edition Tabake als besonders beliebt herausgestellt, die jedes Jahr zur entsprechenden Jahreszeit in ansehnlichen Schmuckdosen erscheinen.
Diese sind häufig sehr schnell ausverkauft und bei vielen Pfeifenrauchern sehr begehrt.
Vielen Dank an Geir Arne Håløyger für das schöne, alte Rattray’s-Booklet und die Genehmigung, es hier zu verwenden.
Und an Scott Thile, der die Fotos des alten Rattray-Laden auf pipedia.org hochgeladen und genehmigt hat, sie hier zu verwenden.

Französische Pfeifentradition mit Freehand-Seele: Bruno Nuttens. Neu bei Cigarworld

Wenn man an französische Pfeifen denkt, fallen einem häufig die „üblichen Verdächtigen“ ein. Butz Choquin (Fabrik leider geschlossen) und Chacom, natürlich in Saint Claude. Serienpfeifen, aus dem wahrscheinlich berühmtesten „Pfeifenort“ der Welt. Aber kennen Sie Freehand-Pfeifenmacher? In diesem Bereich ist es in Frankreich eher ruhig. Mit einer mittlerweile international sehr wahrgenommenen Ausnahme: Bruno Nuttens!

Dabei muss man erwähnen, dass Bruno eigentlich Belgier ist, aber er lebt und arbeitet schon seit einigen Jahren in Frankreich. Angefangen hat es mit dem Thema Pfeife bei ihm so richtig, als er 2012 ein riesiges Konvolut alter, gerauchter Pfeifen aufgekauft hat. Diese mussten natürlich aufgearbeitet werden. So schaffte er sich nach und nach Ausrüstung und Maschinen an. Einen Teil der Pfeifen behielt er, einen anderen verkaufte er über bekannte Internet-Portale.

Durch einen Besuch in St. Claude lernte er Pierre Morel kennen, ebenfalls Pfeifenmacher der alten Schule. Bei ihm konnte er eine Woche arbeiten, um die Prozesse der Pfeifenfertigung kennenzulernen. Nun war es um ihn geschehen, er war Feuer und Flamme für das Thema. Seit 2013 ist Bruno nun im ständigen Austausch mit Pierre Morel. Er vermittelte ihm auch zahlreiche, oft geradezu antike Maschinen für die Pfeifenherstellung, die man in St. Claude häufig in alten Werkstätten und Fabrikgebäuden finden kann. 2016 war es soweit, er konnte seine eigenen, komplett selbst gefertigten Pfeifen herstellen.

Einen weiteren Meilenstein in seiner Entwicklung stellte ein einwöchiges Praktikum bei Tom Eltang in Dänemark dar. Es war für Ihn sehr lehrreich, eine komplett andere Pfeifentradition kennenzulernen, und damit auch andere Fertigungstechniken. Als wichtigste Erkenntnis nahm er mit, dass man nie ausgelernt hat und immer das Bestreben haben muss, sich zu verbessern. Dazu ist auch eine eigene Handschrift erforderlich.

Bruno Nuttens ist nun seit einigen Jahren selbstständiger Pfeifenmacher. Seit zwei Jahren sogar in Vollzeit. Denn er ist mittlerweile ein echter Begriff in der Welt der Pfeifenraucher geworden. Vor allem dank Social Media. Wer seine Pfeifen sieht, bemerkt Thematische Anleihen an Paolo Becker. Vor allem die dünnen „Bleistiftholme“ haben es ihm angetan.

Seinen Kunden präsentiert Bruno drei verschiedene Pfeifenlinien, die zum Teil unterschiedlich hergestellt werden:

  1. Hand Made Pipes: Komplett und frei von der Hand geformte Pfeifen mit Hand Cut Mundstück. Gerne auch ausgefallenere Formen.
  2. Heritage Serie: Pfeifen aus 30-60 Jahre alten, vorgedrehten Köpfen, die in einem alten Lagerhaus in St. Claude entdeckt wurden. Er kaufte alle auf. Sehr klassische Formen. For allem seine langen Billards, die „Bings“ sind hier seine Spezialität.
  3. Vintage Serie: Ebenfalls Pfeifen aus alten, vorgedrehten Köpfen. Besonders gute Holzqualität, vor allem kleine Prince oder Poker mit uralten, aufwändig gefertigten Silberapplikationen.

Wie schon erwähnt, baut er sehr elegante „Bings“, die ihm förmlich aus den Händen gerissen werden. Als Mundstückmaterial kommt eigentlich alles in Frage, was seine Berechtigung hat. Acryl, Ebonit, Cumberlandarten, sogar Horn findet Verwendung. Zwar haben ein Großteil seiner Pfeifen aufgrund des favorisierten Stils keine Filterbohrung, doch fertigt er auch immer wieder 9mm-Pfeifen. Er hat sogar die 6mm-Bohrung so perfektioniert, das auch die 6mm Gizeh- Aktivkohlefilter hineinpassen. Und das ohne Nacharbeit!

Eines haben all seine Pfeifen gemeinsam, und dies steht für die Quintessenz der französischen Pfeifenkultur: Bei allen Pfeifen steht der einwandfreie Tabakgenuß im Vordergrund. Funktion VOR Design. Es sind perfektionierte Werkzeuge genau zu diesem Zwecke. Natürlich entscheidet auch die Ästhetik, aber erst in zweiter Linie. Außerdem sind seine Pfeifen erschwinglich. Eine Freehand kostet selbst in bester Maserung keine 500€, die Heritage und Vintage-Pipes selten über 160€. Damit ist Bruno Nuttens erfrischend „auf dem Boden geblieben“.

Bruno Nuttens selbst ist übrigens leidenschaftlicher Virginia-Genießer. Er raucht überwiegend Straight Virginias, aber auch Virginia-Perique-Blends. Gerne als Flake oder Curly. Seltener Tabake mit Latakia, und gar keine aromatisierten Sorten.

An Pfeifen bevorzugt er ganz klar klassische Pfeifen, überwiegend gerade und nicht größer als Dunhill Größe 2-3.

Wir freuen uns, nun auch die wunderbar klassischen Pfeifen von Bruno Nuttens anbieten zu können, und wünschen Ihnen viel Spaß beim Entdecken des Sortiments!

 

Grundwissen: Anschneiden oder Bohren

Häufig stellen wir in unserem Blog heiß ersehnte Zigarrenlinien oder auch neue Marken vor. In diesem Blogbeitrag soll es nun aber einmal um ein grundsätzliche Thema gehen, dem Anschneiden und Bohren der Zigarre.

Zigarren Schneidewerkzeuge

Cutter

Das wohl häufigste verwendete Werkzeug zum Öffnen der Zigarre ist der Cutter. Sein Vorteil gegenüber allen anderen Varianten des Anschneidens ist, dass er für sämtliche Formate genutzt werden kann, von der schlanken Panatela bis zum aufwendigen Pyramiden- oder Perfecto-Format, mit einem Cutter sind Sie hier am flexibelsten aufgestellt.

Guillotinencutter

Cutter gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Funktionsweisen. Die allererste Zigarre haben wohl die meisten Aficionados mit einem sogenannten Guillotinencutter angeschnitten. Bei einem Guillotinencutter wird die Zigarre mit einer scharfen angeschrägten Klinge angeschnitten. Heute stellen diese Cutter meist die günstigste Möglichkeit des Anschneidens dar und sind bereits für kleines Geld erhältlich. Der Grund hierfür ist wohl ein Nachteil des Funktionsprinzips: Die Handhabung des Cutters ist vergleichsweise umständlich und birgt das Risiko, dass durch die Quetschung der Zigarre in der Öffnung des Cutters das Deckblatt über den Anschnitt hinaus beschädigt wird.

Zigarren Guillotinencutter

Das Risiko der Deckblattbeschädigung ist umso geringer, je hochwertiger und schärfer die verwendete Klinge ausgeführt ist.

Doppelklingencutter

An diesem Problem setzt die wohl am häufigsten zu findende Variante des Abschneiders – der Doppelklingencutter – an. Wie beim Guillotinencutter werden die Klingen geradlinig geführt und bieten einen glatten und sauberen Schnitt. Durch die Verwendung zweier Klingen bleibt der Schnitt auch dauerhaft präzise und ist mit deutlich weniger Kraftaufwand zu erreichen.  

Zigarren Doppelklingencutter

Brauchbare Doppelklingencutter sind bereits für wenige Euro erhältlich (z.B. hier oder hier), je nach verwendeten Materialien und Ausführungen ist die Preisskala nach oben hin offen (z.B. Colibri Cut, Xikar Xi3, Davidoff Doppleklingencutter,S.T. Dupont Maxijet Cutter)

Ein hochwertiger Doppelklingencutter ist auch regelmäßig unsere Empfehlung an jeden Aficionado, der auf der Suche nach einem robusten Schneidewerkzeug ist.

Für Liebhaber besonders großer Ringmaße werden entsprechende Cutter angeboten.

Für Anfänger eignen sich zudem besonders Doppelklingencutter in einer Easy-Cut-Ausführung. Diese Cutter sind nur einseitig geöffnet und verhindern somit ein zu „großzügiges“ Abschneiden des Zigarrenkopfes. Allerdings sind diese Cutter auf den Anschnitt Zigarren mit flachem Kopf beschränkt.

Easy Cut Cutter

V-Schnitt-Cutter

Anschneiden wie zu Großvaters Zeiten – dies traf bis von kurzem für den sogenannten V-Cut zu. Bei diesem Ein-Klingen-Cutter ist diese – wie der Name es erahnen lässt – in V-Form ausgeführt. 

V-Schnitt Cutter

Den Vorteil des Cutters stellt die im Vergleich zum Flachschnitt größere Oberfläche der Anschnittsfläche dar. Durch die V-förmige Öffnung des Zigarrenkopfes bietet sich dieses Verfahren insbesondere auch für Aficionados an, die ihre Zigarren „feuchter“ rauchen an, da hier die Schnittfläche nicht so schnell durchnässt.

Wie auch beim Guillotinencutter ist die Qualität der Klinge von überragender Bedeutung, stumpfe Klingen können zum Ausfransen des Zigarrenkopfes führen. 

Aufgrund der Anschnittsform ist der V-Schnitt nur für Formate mit flachem Zigarrenkopf empfehlenswert.

Und da alle Trends bekanntlich irgendwann einmal wiederkommen, hat auch der V-Schnitt in den letzten Jahren – zumindest bei unseren Kunden – ein gewisses Revival erlebt.

 

Weitere Anschnittsformen

Neben den verschiedenen Formen des Cutters gibt es noch zwei weitere gängige Anschneidewerkzeuge, die Zigarrenschere sowie das Zigarrenmesser.

Zigarrenschere

Die Ursprünge der Zigarrenschere gehen auf die Firma Davidoff zurück, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es sich hierbei meist um besonders hochwertige und stilvolle Instrumente handelt.

Zigarrenscheren

Durch die Verwendung hochwertiger Klingen und der Klingenführung durch die Schneidebewegung zeichnen sich Zigarrenscheren durch äußerst präzise und saubere Schnitte aus. Für viele erfahrene Aficionados stellt die Schere das beste Werkzeug zum Öffnen einer Zigarre dar, und ist auch für Anfänger ideal geeignet.

Mit Ausnahme des Xikar MTX-Multitools ist die Zigarrenschere allerdings mehr für den stilvollen Anschnitt daheim und weniger für unterwegs geeignet.

Zigarrenmesser

Mit der Marke Les Fines Lames erlebten die zuvor in Vergessenheit geratenen Zigarrenmesser erst kürzlich eine Wiederbelebung.

Zigarrenmesser

Hier wird der Zigarrenkopf an eine Einkerbung des Messerkorpus gelegt und mit einer scharfen Klinge einseitig abgeschnitten. Auch hier ist wie bei anderen einklingigen Anschneiden die Qualität und Schärfe der Klinge von entscheidender Bedeutung. Das Cutten selbst benötigt zunächst ein wenig Übung, geht aber danach „locker von der Hand“.

Eine stilvolle und elegante Art des Anschneidens stellen Zigarrenmesser definitiv dar.

 

Zigarrenbohrer

Mit dem Trend zu immer größeren Ringmaßen verbreitete sich auch hierzulande das Anbohren der Zigarre.

Zigarrenbohrer

Hierbei wird durch eine scharfe Rundklinge eine Runde Öffnung in den Zigarrenkopf gestanzt, sodass die verbreiteten Alternativbezeichnungen Punch oder Rundcutter eigentlich zutreffender sind. 

Der große Vorteil des Anbohrens ist die saubere Öffnung der Zigarre ohne Ausfransen des Kopfes. Die durch das Bohren entstehende verhältnismäßig kleine Öffnung kann sich auf das Zugverhalten der Zigarre auswirken.

Grundsätzlich sollte die Größe der Klinge des Punchs nach dem bevorzugten Zigarrenformat ausgewählt werden. Hierbei gilt: Je größer das Ringmaß umso größer sollte der Durchmesser des Punchs sein.

Wie auch bei den Abschneidern ist das Angebot an Bohrern vielfältig. Neben den unterschiedlichen Ausführungen sind auch Bohrer mit mehreren Klingen erhältlich oder solche, die praktisch am Schlüsselbund jederzeit mitgeführt werden können. Auch führen einige Zubehörhersteller mittlerweile Feuerzeuge mit integrierten Bohrern im Sortiment (z.B. Xikar Forte, Colibri Slide II).

Feuerzeuge mit integriertem Bohrer

Bohren oder Anschneiden? Flachschnitt, Messer, Punch? Am Ende gibt es auch hier – wie in so vielen Fragen rund um das Thema Zigarre – nicht die einzige Wahrheit, sondern ist vielmehr eine Frage der persönlichen Vorliebe.

 

Rauchige Grüße aus der Cigarworld Lounge,

Ihr Cigarworld Team

Savinelli. Tradition seit 1876

Wer den Pfeifenmarkt beobachtet wird feststellen, dass es wenig Kontinuität gibt. Vertriebswege ändern sich, Fabriken werden geschlossen, Werkstätten woanders aufgebaut, Serien gestrichen. Manche Hersteller schließen für immer ihre Pforten. Eine große Ausnahme stellt hierbei Savinelli dar. Die italienische Manufaktur liefert seit Jahrzehnten solide, beständige Qualität, und überrascht regelmäßig mit Neuheiten.

Das kommt auch nicht von ungefähr, denn seit 1876 ist das Familienunternehmen bereits im Geschäft. Das sogar im wörtlichen Sinne, denn angefangen hat es mit einem der ersten Tabakwaren (Fach)- Geschäfte in Italien, das von Achille Savinelli Sr.  in Milano gegründet wurde. Dieser Laden wurde schnell zum Treffpunkt der Tabakgenießer und Pfeifenraucher. Zu dieser Zeit waren Pfeifen aus Meerschaum und Ton marktbeherrschend und Pfeifen aus Bruyereholz noch eine exotische Besonderheit.

Doch Achille sr. erkannte früh, dass Bruyere einen Siegeszug antreten wird und setzte auf dieses Pferd. Er gestaltete die Modelle selbst und ließ diese auf dem Land, in Holzwerkstätten fertigen. Diese Pfeifen trugen noch das alte „ASM“- Logo ( A chille S avinelli M ilano ), die bei Sammlern weltweit heiß begehrt sind. Diese Pfeifen verkauften sich ganz hervorragend in seinem Laden. Zum Erfolg beigetragen hat die Tatsache, dass seine Pfeifen auch auf Messen anklang fanden.

Achille sr. übergab bald das Zepter an seinen Sohn Carlo, der das Ladengeschäft die nächsten 50 Jahre weiterführte und den intensiven Kundenkontakt kultivierte. Mit der Hilfe von Carlo, erlang Savinelli in Milano den legendären Ruf, der bis heute noch anhält.

Der Sohn von Carlo, nach seinem Großvater ebenfalls Achille genannt, wuchs wortwörtlich zwischen Pfeifen und Tabakwaren im Geschäft auf. Er entwickelte früh eine Begeisterung für das Thema Pfeife, und im hintersten Teil des Geschäfts richtete man ihm eine Werkstatt ein. Hier tüftelte Achille jr. an neuen Shapes, neuen Ideen und Oberflächen. Tatsächlich entstanden so die allerersten „echten“ Savinelli- Pfeifen. Der zweite Weltkrieg unterbrach jäh diese Entwicklung, als Achille jr. zum Militärdienst einberufen wurde. Doch glücklicherweise führte der Militärdienst dazu, dass er andere Länder und damit auch andere Pfeifenkulturen kennenlernen konnte. Ihm wurde aber auch bewußt, dass italienische Pfeifen im Ausland zu diesem Zeitpunkt kein besonders hohes Ansehen hatten und als billige Konsumartikel galten. Er wollte etwas daran ändern, und beschloß nicht zurück in den Einzelhandel zu gehen, sondern eine eigene Pfeifenproduktion aufzubauen.

1948 baute er mit einigen Freunden (u.a. Enea Buzzi, der später Brebbia gründete) in Barasso eine eigene Manufaktur aufzubauen. Bald umfasste das Team schon mehr als 15 Mitarbeiter, und sie fingen an die Pfeifen zu exportieren. Wie es oft bei neuen Marken und Produkten ist, stellte sich nicht ein sofortiger Erfolg ein. Die Kunden waren noch skeptisch. So teure Pfeifen aus Italien? Nicht aus England oder Frankreich? Doch Achille hatte Vertrauen zu seinen Produkten, und blieb standhaft. Nach und nach meldeten sich immer mehr Distributeure, und Savinelli- Pfeifen waren bald weltweit ein Begriff. Achille übergab im höheren Alter die Geschäftsführung an seinen Sohn Giancarlo, der sie auch heute noch inne hat.

Bei Pfeifenrauchern ist Savinelli besonders dafür bekannt, hohen Wert auf Handarbeit und die Wertschätzung auf künstlerisches Schaffen zu legen. Dies machte sich besonders in der Linie „Autograph“ und „Linea Artisan“ deutlich, die komplett Handgefertigt ist, und eigentlich keine Pfeife wie die andere ist. Diese Pfeifen waren besonders in den 70er Jahren erfolgreich, und sie Begründen das hohe Ansehen, das Savinelli heute in den USA hat.

Eine weiterer Meilenstein, besonders am Anfang der Markengeschichte war die Einführung der Serien „Punto Oro“ und „Gubilieo d’Oro“. Sie waren als Konkurrenz zu berühmten englischen Pfeifen mit Punkt konzipiert, und wurden offensiv auch so beworben. Klassisch in der Gestaltung, perfekt in der Verarbeitung, und deutlich besser gemasert als der Mitbewerber sollten Sie sein. Man wollte nicht nur gleichwertig, sondern tatsächlich besser sein.

Die Handschrift und Ästhetik von Savinelli ist eine ganz besondere. Eine sehr individuelle. bei bestimmten Modellen erkennt der Kenner sofort auch aus der Entfernung, das es eine Savinelli sein muss. Zwar gibt es auch die überall vertretenen Klassiker wie Billard, Bent, Bulldog. Aber mit Savinelli verbindet man vor allem so archetypischen Shapes wie die bauchige Diplomat, das Modell 320, oder die Elegante Prince, das Modell 315.

Auch was die Kreativität betrifft, hat Savinelli einiges zu bieten. So hat der Hersteller in Letzter Zeit viel mit bunten Mundstücken experimentiert. Mal überbordend- verspielt, mal zurückhaltend- geschmackvoll.

Als Fachhändler können wir außerdem noch einen interessanten Fakt wiedergeben: Unter allen Pfeifenmarken die wir führen, gibt es immer mal wieder Reklamationen, Defekte, Rückläufer und Reparaturen. Bei Savinelli- Pfeifen ist diese Quote aber mit Abstand am geringsten!

Die Pfeifen werden in Deutschland übrigens von der Firma Kopp Pipes vertrieben, die dem Fachhandel seit „Urzeiten“ als Partner und zeitgemäßer Lieferant zur Seite steht.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit Ihrer Savinelli und laden Sie ein, Savinelli- Pfeifen in unserem Shop zu entdecken.

Fotos mit Freundlicher Genehmigung der Firma Kopp Pipes und Savinelli S.r.l.

Pfeifen und Zubehör aus der Ukraine: Anton & Co. Pipes neu bei Cigarworld

Im Oktober erreichte uns eine Mail von einem jungen ukrainischen Pfeifenhersteller: Er und sein Vater seien interessiert daran, eine Geschäftsbeziehung zum deutschen Fachhandel aufzubauen. Natürlich sind wir am Anfang immer etwas skeptisch, wenn uns E-Mails dieser Art erreichen. Aber dank der rührigen und sehr aktiven Pfeifenszene, insbesondere aus dem Pfeifenclub in Kiew (Dank an Dmytro Nazarenko), war schnell klar, dass hier ein interessantes Angebot auf dem Tisch lag.

Was nun folgte, war eine wahre Flut an E-Mails, Formularen, Erklärungen, Verträgen, Faxen, Briefen und Dokumenten, die nötig waren, um eine überschaubare Menge an Pfeifen und Raucherbedarfsartikel aus der Ukraine zu importieren. Denn wir hatten durchaus Interesse, einem Unternehmen aus der Ukraine eine Chance auf dem deutschen Markt zu geben. Doch wir waren überrascht über den bürokratischen Aufwand.

Schließlich war es dann Anfang Dezember so weit, dass die Waren bei uns eintrafen. Leider fiel dieser Zeitpunkt ungünstig mit dem massiv einsetzenden Weihnachtsgeschäft zusammen, so dass wir auch heute noch mit dem Einpflegen der Artikel massiv hinterherhinken.

Zu dem Unternehmen Anton & Co Pipes gibt es jedenfalls einiges zu Berichten. Die Firma besteht im Wesentlichen aus Vater und Sohn, Alexander und Ivan Antonenko, die Ihre Werkstatt in Lwiw haben, nicht weit entfernt von der Grenze zu Polen. Alexander ist ein ehemaliger Kampfpilot, der sich seit Ende der 90er, Anfang der 2000er mit der Produktion von Holzartikeln und Zigarettenspitzen selbstständig gemacht hat. Seit den frühen 2000er Jahren ist die Produktion erheblich gewachsen und es kamen auch Pfeifen ins Sortiment. 2010 stieg sein Sohn Ivan in das Geschäft ein, nachdem er sein Studium an der nationalen Forstwirtschaftsuniversität abgeschlossen hatte.

Es werden überwiegend Pfeifen aus Ahornholz hergestellt, die in der Ukraine eine lange Tradition haben. Hin und wieder wird auch Eiche, Mooreiche oder Birnenholz verwendet. Ahorn ist ein Material, das tatsächlich „Vor der Haustüre“ wächst, sehr feuerfest ist, gut zu bearbeiten und einen neutralen Eigengeschmack hat. Außerdem ist es eine Baumart, die weder besonders rar, noch gefährdet ist. Insofern fiel die Wahl des Materials nicht besonders schwer.

Seit letztem Jahr hat sich aber noch mehr getan. Es kamen Pfeifen aus importiertem Bruyère hinzu, außerdem ist man die Fertigung von Pfeifenständern aus Eschenholz eingestiegen. Esche ist besonders für eine langlebige Qualität wie auch schöne Maserung bekannt.

Die Bruyerepfeifen werden im eigenen Haus sandgestrahlt, und sie haben ein sehr robustes, griffiges und ehrliches Aussehen. Auftretende Spalten oder Spots werden nicht behandelt, sondern gehören zu diesem Naturprodukt. Der Fokus liegt hier eindeutig auf einwandfreier Nutzbarkeit, weniger auf Ästhetik. Eine Besonderheit ist außerdem, dass die Holmringe aus Aluminium ebenfalls sandgestrahlt werden und deshalb ein mattes Aussehen haben. Die Shapes sind eher klassisch, aber auch hier ist man noch in der „Findungsphase“. Einige Pfeifen sind mit, andere ohne Filter. Für alle Waren aus dem Hause Anton & Co. gilt, dass ein attraktives Preis- Leistungsverhältnis gewährleistet wird.

Des Weiteren bietet die Firma noch hübsche, handgegossene Pfeifenstopfer aus Messing an, die Sie ebenfalls bald auf unserer Seite finden werden.

Wir haben uns vorläufig dazu entschlossen keine figurativ geschnitzten Pfeifen anzubieten, die Anton & Co ebenfalls herstellt. Aber wer weiß, was hier die Zukunft noch bringt? Derzeit schätzen wir die Marktchancen jedenfalls eher gering ein. Doch was meinen Sie? Würden Sie eine Pfeife mit dem Kopf von „Gandalf“ oder „Sherlock Holmes“ kaufen?

Alles in Allem würden wir uns freuen, wenn Sie diesem jungen ukrainischen Unternehmen eine Chance geben. Die Pfeifen, Pfeifenständer und Stopfer sind in jedem Fall einen zweiten Blick wert! Die Pfeifen finden Sie HIER

Interview mit Hans Wiedemann, der Mann hinter HU Tobacco

Kennen Sie HU Tobacco? Falls noch nicht, wird es dringend Zeit! Das kleine Tabaklabel das im wesentlichen von Hans Wiedemann betrieben wird, hat einzigartige und interessante Tabakmischungen, die es so kein zweites Mal auf dem deutschen Markt gibt. Seit einigen Jahren hat sich eine treue Anhängerschaft für diese Tabakspezialitäten herauskristallisiert. Weil Hans sehr nah an der Pfeifencommunity ist, und ständig neue Ideen in der „Pipeline“ hat, gibt es auch immer wieder Neuigkeiten. So kamen dieses Jahr insgesamt drei neue, limitierte Tabake auf den Markt, die jeweils innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren.

Wir wollen nun Hans Wiedemann zu Wort kommen lassen und ein wenig die Hintergründe hinter dieser kleinen, feinen Tabakmarke beleuchten. Das Interview konnte lagebedingt natürlich nicht persönlich geführt werden. Doch auch per Email kann man interessante Details herausarbeiten.

Cigarworld: Was hat dich dazu bewogen Pfeife zu rauchen?

Hans Wiedemann: Das Pfeiferauchen ist bei mir vermutlich erblich bedingt. Mein Papa hat nicht ausschließlich, aber schon immer auch Pfeife geraucht. Er genoss seine Pfeife in Stunden der Ruhe und zelebrierte den Rauchvorgang immer aufs Schönste. Als kleiner Junge saß ich oft mit ihm zusammen als er seine Pfeife rauchte. Es waren immer die schönsten Stunden für mich, da die Stimmung richtig relaxt und der Geruch seines Tabaks in meiner Erinnerung immer unheimlich angenehm war. Ich denke diese Stunden der Geborgenheit waren der Grundstein meiner Faszination für die Pfeife. Nach dem Anzünden durfte man dann auch noch ein- oder zweimal ziehen und das war schon ein bissl abenteuerlich. Damals war das Rauchen ja auch noch nicht ungesund, sondern Sinnbild für höchsten Genuss, aber auch für Männlichkeit. Andere Zeiten, andere Denkmuster. Die Zeit verklärt manche Situationen, aber diese schönen Momente waren sicherlich mit ein Grund dafür, mit dem Pfeiferauchen anzufangen. Bis vor einigen Jahren habe ich ja auch noch Zigaretten geraucht, allerdings nie leidenschaftlich, während mir die Pfeife hingegen immer heilig war.

Cigarworld: Seit wann rauchst Du Pfeife?

Hans Wiedemann: Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich hier wahrheitsgemäß antworten darf. Was früher ein Kavaliersdelikt war gilt ja heute als ein „Anschlag“ auf die gesamte Menschheit. Ich rauche Pfeife seit meinem 13. Lebensjahr. Heute unvorstellbar, aber das war halt damals so. Meine erste „richtige“ Pfeife habe ich mir von meinem Konfirmationsgeld gekauft. Eine Vauen Luxus boah…mit 9mm-Filter, 79,- DM. Das war schon was und gab meiner Pfeifenleidenschaft richtigen Schub. Die Pfeife besitze und genieße ich noch heute und wenn ich so über die Oberfläche streiche, kommt immer wieder mal die Erinnerung an die Zeit, als ich mir diese Pfeife gekauft habe, hoch.

Cigarworld:  Wie bist du auf die Idee gekommen ein eigenes Pfeifentabaklabel zu gründen?

Hans Wiedemann: Naja, so ganz allein kam mir die Idee nicht. In Sachen Tabak war ich schon immer sehr experimentierfreudig bzw. neugierig. Sobald ich einen mir unbekannten Tabak sah, musste ich den unbedingt probieren. Man könnte ja etwas verpassen. Dadurch eignete ich mir in relativ kurzer Zeit einen großen Geschmackshorizont an und lernte für mich einzuschätzen, welche Art Tabakmischungen ich mochte und warum ich diese mochte. Es verfestigte sich ein Bild idealer Tabake. Dann, Anfang der 2000er Jahre kam ich mit der Welt der Lakelandtabake in Berührung, welche mir ein so ganz anderes Spektrum der verschiedenen Aromen eröffnete. Und eigentlich sind die Aromaten schuld daran, dass bei mir und meinem Freund Kelvin Pohler von CO Pipes, die Idee reifte, sich daran zu versuchen, solche Tabake, eben diese Lakelandtabake oder auch amerikanische Sorten, nach Deutschland zu importieren. Natürlich völlig naiv bei den ganzen Regularien und Importauflagen. Ganz abgesehen davon, dass so etwas nur im großen Stil funktionieren würde. Nach kurzer Zeit waren wir sehr ernüchtert und wir verwarfen den Plan. Kelvin stand damals schon am Anfang seiner Pfeifenmacherei und er wollte sich dann lieber auf das Pfeifenmachen konzentrieren. Wovon wir heute aufs Schönste profitieren. Es reifte dann bei mir der Gedanke heran, Tabakmischungen selbst zu blenden und eine Hobbymarke zu schaffen.

Ich hatte auch schon immer Tabake für mich und meine Freunde kreiert und als ich denen davon erzählte, drängten sie mich doch die für sie schon kreierten Tabake via eines Internetshops anzubieten. Zum Glück waren sowohl die Fa. Kohlhase & Kopp als auch die Fa. DTM bereit mit mir dieses Startup zu wagen. 2011 gab es dann auf der Lohmarer Pfeifenmesse das Debüt von HU Tobacco. Ein reines Hobbylabel, welches sich aber zwischenzeitlich als Nischenanbieter unter den großen Herstellern und als Marke ganz gut etabliert hat.

Cigarworld: Ist HU Tobacco dein Haupterwerb?

Hans Wiedemann: Ha,ha,ha… nein, HU Tobacco ist ein reines Hobby. Aufgrund meiner gesundheitlichen Situation ist HU Tobacco zwischenzeitlich auch auf so vielen Schultern verteilt, dass es hier für mich nichts mehr zu verdienen gibt. Das ist nur noch just for fun und dass es HU Tobacco noch gibt ist nur der Lust am Tabak geschuldet. HU Tobacco wird es solange geben, solange ich Spaß an der Sache habe. Mit Geld hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Cigarworld: Wenn nein, was machst Du sonst?

Hans Wiedemann: Ich arbeite in Deutschlands größter Fabrik für Innentüren. Ich bin dort im Bereich Supply Chain Planning tätig und kümmere mich um all die logistischen Dinge, die im normalen Fluss nicht geklappt haben oder besonders schnell über die Bühne gehen müssen… von Rückständen/Vorzügen in der Produktion oder im Werksverkehr bis hin zur Organisation von Sondertransporten zum Kunden oder auf die Baustelle. Innerhalb dieser Aufgabe bin ich Ansprechpartner und Bindeglied zwischen den Bereichen Produktion, Disposition, Produktionsplanung und Verkauf. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, besonders weil man nie weiß, was einen in der nächsten Stunde erwartet. Man muss schnell Entscheidungen treffen, unter Abwägung aller Auswirkungen und Kosten. Ein Job, bei dem man abends entschleunigen muss und hier hilft mir die Pfeife sehr gut dabei, wieder auf Normalspannung zu kommen.

(Dieses Foto stammt von Steffen Müller, Fotograf und Pfeifenmacher)

Cigarworld: Hattest Du auch mal Interesse selbst Pfeifen zu bauen?

Hans Wiedemann: Ich habe mal drüber nachgedacht, aber aufgrund meiner nur eher grobmotorischen Fähigkeiten habe ich diesen Gedanken sehr schnell wieder verworfen. Ich denke, das ist auch gut so und im Bereich Tabak bin ich besser aufgehoben. Man muss hier einfach auch ehrlich zu sich sein.

Cigarworld: Welche Tabake haben am meisten Einfluss auf dich genommen?

Hans Wiedemann: Ich denke am meisten Einfluss haben die Lakelandtabake auf mich genommen. Einerseits mit ihren fantastischen Naturtabaken und andererseits mit der unnachahmlichen Art der Aromatisierung. Wobei ich zugeben muss, dass ich in letzter Zeit eher selten Lakelands rauche. Ich bin absoluter Gegner davon, Blends nachzubauen, abgesehen davon, dass dies nicht wirklich funktioniert, aber als Vorbild habe ich mir schon den ein oder anderen Blend genommen.

Cigarworld:  Welche Tabake rauchst du selbst gerne?

Hans Wiedemann: Naja, natürlich HU Tabake :-) Aber Spaß beiseite, ich habe da ein großes Spektrum. Ich liebe im Naturbereich den MB Pure Virginia Flake, die Peterson Navy Rolls sowie einige Blends aus der Mc Connell Heritage Reihe. Im Aromabereich liebe ich florale englische Aromen. Besonders mag ich hier Bob’s Square Cut, Grousemoor Plug, aber auch einige DTM Aromaten, die in diese Richtung gehen. Bei den Latakia-Blends ist mein Allzeit-Liebling der Robert Lewis 123 Mixture und der Peterson Aperitif. Aber leider muss ich so viele andere Blends zur Wissenserweiterung probieren, sodass ich eher selten meine Lieblinge rauchen kann. Wenn es aber zeitlich klappt, dann mit absolutem Hochgenuss.

Cigarworld: Welche Pfeifen bevorzugst Du selbst – OFi/MiFi?

Hans Wiedemann: Diese Frage ist schnell beantwortet. Eindeutig OFi-Pfeifen. Nicht nur weil ich am liebsten ohne Filter rauche, sondern auch weil sie meist graziler sind. Aber ich habe auch kein Problem eine Filterpfeife zu kaufen, wenn sie mir gefällt. Filter weglassen und gut ist es. Nachteiliges konnte ich hier noch nicht feststellen.

Cigarworld:  Wie funktioniert das mit dem Tabakblenden?

Hans Wiedemann: Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht. Ich kann nur sagen, wie bei mir neue Blends entstehen. Als erstes entsteht ein Blend bei mir im Kopf. Ich habe meist eine klare Vorstellung, was ich machen möchte und wie die Mischung schmecken sollte – auch mit welchen Tabaken ich dies erreichen könnte. Sobald ich ein klares Bild habe, beginne ich auch schon Probemischungen zu erstellen. Dies passiert bei mir zu Hause. Ich habe sämtliche Tabake, die mir zur Verfügung stehen, zuhause. Nach dem Proberauchen wird dann solange geändert, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Danach lasse ich eine Gegenprobe von den Herstellern mischen. Wenn dann alles passt, geht es auch schon los……mit all den anderen Dingen die dazu gehören bevor eine Mischung auf den Markt kommt.Klingt alles total easy und ist es in der Theorie auch. Allerdings steckt der Teufel im Detail und man braucht schon ein sehr gutes Geschmacksvermögen. Außerdem muss man seine Grundtabake schon sehr gut kennen, um zielsicher vorgehen zu können.

Cigarworld: Wo lässt Du deine Tabake mischen?

Hans Wiedemann: Ich lasse bei DTM (Dan Tobacco) und bei K&K (Kohlhase & Kopp) mischen.

Cigarworld: Haben amerikanische Tabake Einfluss auf dich genommen?

Hans Wiedemann: Ehrlich gesagt, eher nicht. Klar mag ich viele amerikanische Blends, besonders im Burley Orient und Perique-Bereich. Auch sind Greg Pease und Russ Ouelette wahre Meister ihres Fachs, aber im Grunde meines Herzens bin ich tabaktechnisch glühender Europäer.

Cigarworld:  Was hältst du von Lakelandtabaken?

Hans Wiedemann: Da habe ich ja meine Meinung in vorherigen Fragen schon ausführlich kundgetan. Die sogenannten Lakelandtabake sind für mich ganz großes Kino und einige meiner Lieblinge kommen aus den Lakelands. Irre Aromen, wahnsinnig schöne Flakes, kurzum, ich finde sie einfach toll. Lediglich im Latakiabereich fühle ich mich woanders besser aufgehoben.

Cigarworld:  Wie beurteilst du die deutsche Tabaklandschaft insgesamt?

Hans Wiedemann: Für mich ganz klar der beste Tabakmarkt, den es gibt. In Deutschland haben wir mit DTM und K&K zwei Hersteller, die in der Welt ganz oben mitspielen und die uns eine Vielfalt bescheren, die vermutlich einzigartig ist. Dazu die ganzen Importmarken, das ist dann schon ein Brett, für das wir uns glücklich schätzen können. Der Traditionshersteller Planta musste ja leider seine Pforten schließen, wobei ich zugeben muss, dass ich nie ein großer Fan von Plantatabaken war. Aber auch aus Berlin kamen verschiedene Naturtabake, die in meinen Augen spitze waren und deren Aromaten hatten auch sehr viele Fans. Dass Planta die Segel streichen musste, tut mir irre leid. Aber Gott sei Dank hält Mac Baren einige Klassiker am Leben, sodass uns nicht alles verloren ging.

Cigarworld: Warum gibt es von Dir keine Hocharomaten?

Hans Wiedemann: Das kann ich so nicht ganz unterschreiben. Mit dem Great Dixter, dem Sissinghurst oder dem Morocan Bazaar und Darkwood Scenery habe ich schon prägnante Aromaten im Programm. Es sind halt keine dänisch geprägten Aromen, die hier zum Einsatz kommen, sondern hier zeigt sich meine Vorliebe für den englischen Stil der Aromatisierung. Ich habe, zumindest bisher, keinen Vanilletabak im Angebot, wobei ich hier an einer Idee arbeite. Aber du hast recht, HU Tobacco steht mehr für Naturtabake und weniger für Hocharomaten. Viele meiner nicht genannten Aromaten sind sehr dezent aromatisiert und stellen immer den Tabak in den Vordergrund. Aber das Hauptaugenmerk von HU Tobacco liegt ganz klar im Naturbereich.

Cigarworld: Welche Bedeutung haben deine Pfeifenfreunde in Bezug auf die Tabakentwicklung?

Hans Wiedemann: Die verrückte Antwort lautet hier wie folgt: eine sehr große Bedeutung und gar keine Bedeutung. Ich möchte das kurz erklären. Im Allgemeinen haben meine Pfeifenfreunde keinerlei Einfluss auf meine Tabakentwicklungen. Klar bekomme ich immer mal Wünsche genannt und „kannst du nicht sowas oder sowas ähnliches machen“. Solche Ideen nehme ich schon auf, gehe aber nicht ins Detail. Da mein Tabakhobby frei von finanziellen Interessen ist, möchte ich mir auch die volle Unabhängigkeit bewahren. Zudem habe ich es schon in meinem Katalogbuch geschrieben: gut wird, was Spaß macht und wenn ich jetzt mit einem Mirabellen-Vanille-Tabak auf Black Cavendish Basis ankomme, dann bin das nicht ich. Solchen Tabaken könnte ich keine persönliche Handschrift mitgeben und ich denke, wer sich für Tabake eines kleinen Blenders entscheidet, entscheidet sich auch für dessen persönlichen Stil der Tabakkomposition. Mein Augenmerk liegt mehr auf meinem persönlichen Geschmack und Stil als auf einer optimalen Marktbreite. Und genau das mögen meine Kunden.

Aber es gibt auch eine Tabaklinie, die ich nicht allein gemacht habe bzw. mache. Die sogenannte Africa Line ist ein Gemeinschaftswerk von Peter Hemmer und mir. Peter ist, was die Geschmacksbeurteilung angeht absolut genial. Ich persönlich kenne niemanden der Tabake so gut lesen und erklären kann wie Peter. Bei dieser Tabakreihe ist Peter der Hauptideengeber. Meist wirft Peter eine Idee in den Ring und wenn ich die Idee gut finde, mache ich mich ans Werk den geplanten Charakter in Mischungen umzusetzen. Diese besprechen und ändern wir dann so oft, bis wir beide von dem Blend überzeugt sind. Ich denke mit der Africa Line haben wir richtig tolle und facettenreiche Tabake kreiert, mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten. Ich habe hier sowohl an der Zusammenarbeit als auch am Ergebnis richtig viel Spaß. Wir lassen uns gegenseitig Raum, um dann trotzdem ein gemeinsames Produkt zu erschaffen. Das ist für mich schon großes Kino und ich glaube, wir beide profitieren ungemein von den jeweiligen Stärken des anderen.

Ähnlich geht es mir mit der Zusammenarbeit mit Alexander Broy. Ein leidenschaftlicher Pfeifenliebhaber und Künstler. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem künstlerischen Aspekt unserer Verpackungen und Labels. Alexander ist ein wahnsinnig kreativer Mensch, der aber auch Ideen anderer Platz lässt und dadurch ein großartiges Klima für kreatives Arbeiten schafft. Mir sind die Verpackung oder schöne Labels sehr wichtig. Die Klasse und die Wertschätzung eines Produktes spiegelt sich auch immer in seiner Präsentation wider. Ein hochwertiges Produkt verdient auch eine hochwertige Verpackung. Diese Auffassung teilt nicht jeder, aber wenn ich dann die stolz gezeigten Bilder alter Tabakdosen sehe, bestärkt mich das in meiner Auffassung. Und deshalb werden wir diesen Weg auch weitergehen, selbst wenn es sehr teuer ist. Wenn HU Tobacco mal Geschichte ist, so werden sich sicherlich noch viele Menschen lange an den schönen Dosen/Etiketten erfreuen und dann haben wir alles richtig gemacht.

Um mit der Qualität der Mischungen und der künstlerischen Gestaltung unserer Website sowie Dosendesigns auch sprachlich auf der Höhe zu sein, setzt Cala Jane meine Gedanken, aber auch ihre Intentionen in ansprechende Texte und Beschreibungen um. Da HU Tobacco immer auch kleine Entstehungsgeschichten rund um eine neue Mischung veröffentlicht, ganz im Sinne eines ganzheitlichen Produktes, oder aber mit einem Blend auf besondere Ereignisse hinweist, ist mir die sprachliche Seite sehr wichtig. Und Cala ist hier auch ein richtiges Brett!

Das Ganze soll alles andere als überheblich klingen, denn HU Tobacco ist Hobby und das soll Spaß machen. Und alle Beteiligten haben eine riesige Freude daran, ihre Stärken einzubringen. An dieser Stelle dafür auch mal ein ganz dickes Dankeschön.

Cigarworld: Welche Bedeutung haben Pfeifenmessen für dich?

Hans Wiedemann: Traditionell haben Tabakmessen für mich den höchsten Stellenwert. Klar, mit und an Lohmar bin ich gewachsen. Hier fiel der Startschuss für HU Tobacco. Zudem bieten Pfeifenmessen die Möglichkeit, direkten Kontakt mit Kunden aufzunehmen. HU Tobacco ist ja zwischenzeitlich schon eine kleine Familie und scherzhaft spreche ich immer von VEB (Volkseigener Betrieb) HU Tobacco. Diese vielen Verbindungen und der tolle Kontakt zu den Leuten, mit denen ich viele Ideen gesponnen und zum Teil umgesetzt habe, ist irre schön und auch wichtig für mich. Ich möchte ja nicht die graue Eminenz einer Firma sein. HU Tobacco ist und bleibt Hobby, von Pfeifenrauchern für Pfeifenraucher, und das lebt auch vom persönlichen Feedback und dem Kontakt zu den Kunden und Freunden. Ich mache das alles leidenschaftlich und diese Leidenschaft möchte ich auch mit anderen teilen. Denn gut wird, was Spaß macht.

Cigarworld: Warum haben einige deiner Tabake so ungewöhnliche Namen?

Hans Wiedemann: Ich denke mal, du beziehst dich auf die Namensgebung der Africa Line. Die Grundidee dieser Tabakreihe war es, die Bedeutung afrikanischer Tabake in den Fokus zu stellen. Wir haben versucht, bei den Blends möglichst viele Tabakkomponenten aus Afrika zu verwenden. Das geht natürlich nicht durchgängig, aber was ging, haben wir gemacht. Diesem Umstand wollten wir auch bei der Namensgebung Rechnung tragen, weshalb hier die für uns ungewöhnlichen Namen entstanden sind. Die Namen haben allesamt etwas mit Afrika zu tun. Seien es Landstriche, Volksstämme, Städte… usw. Diese Tabakreihe entstammt einer ungewöhnlichen Idee und die Namen versinnbildlichen diese Idee. Nach anfänglich großer Skepsis von Seiten der Kunden geht den Leuten zwischenzeitlich ein Name wie Fayyum genauso gut über die Lippen wie Director`s Cut.

Cigarworld: Hast Du Vorbilder sowohl beim Tabakblenden als auch Tabakvorbilder?

Hans Wiedemann: Ja klar, ich bin ja nur absoluter Laie und Hobbymischer – von daher möchte ich die großen Namen gar nicht mit mir in Verbindung bringen. Aber Greg Pease oder Russ Ouelette sind schon Leute, zu denen ich aufsehe. Aber ich möchte jetzt hier doch bei der HU Tobacco Arbeit bleiben und da kann ich nur sagen, wir haben in Deutschland mit den Tabakmeistern von Kohlhase&Kopp und DTM schon richtig tolle Jungs und Mädels am Start. Ich bin nur Laie, aber ich bin überzeugt, dass wir uns hier international nicht verstecken müssen. Ich bin alles andere als ein Nationalist, aber die tolle Zusammenarbeit mit den Leuten sowie die Ergebnisse lassen mich immer wieder staunen.

Als Tabakvorbilder sehe ich für mich die klassischen „großen“ Blends. Three Nuns, Erinmore Flake, den alten Mc Connell Original Red Virginia oder den Orlik Sailor`s Flake. Klar, die alten Dunhill Tabake und, und, und. Einfach ehrliche und raffinierte Mischungen – dieses Motto sehe ich auch als Arbeitsgrundlage für Hu Tobacco.

Cigarworld: Wie zufrieden bist du mit der Tabakqualität insgesamt?

Hans Wiedemann: Auch hier kann ich nur laienhaft antworten, da ich ja kein Tabakmeister bin. Um Tabake bewerten zu können, bedarf es sicherlich jahrelanger Erfahrung und einer Arbeit rund um den Tabak. Ich sehe mich hier als Rezepteur und nicht als Tabakfachmann. Die Frage ist ja auch, was die Qualität eines Tabaks ausmacht? Glimmfähigkeit? Blattstruktur? Farbe etc. Ich mache es mir jetzt ganz einfach. Qualität bedeutet für mich als Rezepteur, welche Geschmacksintensität bringt eine Tabaksorte mit, bringt der verwendete Tabak die sortentypischen Geschmacksnuance rüber? Wenn eine Tabakkomponente flach und kratzig schmeckt, sehe ich die Qualität als nicht gut an. Aber das ist eine völlig laienhafte Betrachtungsweise und Tabakfachleute werden sich jetzt sicherlich den Bauch vor Lachen halten. Aber diese Art von Qualitätsdenken bezogen auf einzelne Komponenten ist für mich weniger relevant. Ich betrachte dann die fertige Gesamtkomposition unter dem Aspekt der Qualität. Schmeckt die Mischung komplex, hält sie den Geschmack, changiert der Geschmack, kommen die sortentypischen Merkmale wie gewünscht zur Geltung? Ist der Geschmack rund und stimmig. Ist das Tabakbild für die Art des Blends ansprechend? Das sind Fragen, die mich umtreiben und die für mich relevant sind. Die Grundtabake die K&K und DTM verwendet, sind sicherlich gut, was immer das auch heißt und von daher: ja, ich bin mit der angebotenen Tabakqualität zufrieden.

Cigarworld: Welche Tabaksorte (Virginia, Burley, Latakia.ect) magst du am liebsten?

Hans Wiedemann: Hier hat klar der Virginia die Nase vorne. Einfach aus dem Grund, dass Virginia die Hauptgrundlage der meisten Tabakmischungen darstellt. Klar lassen sich Blends rein aus Würztabaken machen und die Ergebnisse sind mitunter toll, aber irgendwie zieht es mich dann doch immer wieder zu Virginia dominierten Mischungen hin. Als zweites würde ich Latakia sagen. Nicht weil ich überwiegend Latakiamischung rauchen würde, sondern auch hier sehe ich es aus der Sicht des Blenders. Latakia kann einer Mischung so viele verschiedene Aspekte verleihen und sie in Richtungen schubsen, wie kaum ein anderer Tabak. Das finde ich faszinierend. Je nach Menge der Zugabe, wirkt Latakia rauchig, ätherisch dämpfend oder er feuert eine spezielle Richtung an. Das ist schon manchmal erstaunlich und oft entscheiden hier geringe Mengenunterschiede, wohin die Reise geht. Weniger facettenreich, aber auch wunderschön finde ich den Burley. Und ich schreibe es auch HU Tobacco auf die Fahne, dass der Burley in Naturmischungen eine Renaissance erlebt hat und erlebt. In der Vergangenheit, ich spreche hier nicht von amerikanischen Blends, fristete der Burley das Dasein eines Grundtabaks bei aromatisierten Mischungen und weniger als raffinierte Beigabe bei Naturtabaken oder als dessen Hauptkomponente. Wenn ich allerdings die Erfolge von Nashville County oder Makhuwa und Night Owl betrachte, glaube ich, dass viele Raucher ihre Liebe zum Burley entdeckt haben und gerne dies Blends mit ihrem erdigen, zigarrigen, kakaoigen Touch genießen. Aber über Geschmack lässt sich ja trefflich streiten. :-) Da muss jeder seine eigene Präferenz entwickeln.

Cigarworld:  Gibt es Tabakmythen die du ein für alle Mal aufklären möchtest?

Hans Wiedemann: Hier gibt es eigentlich nur einen Mythos, dem ich nicht folgen möchte und der mich etwas stört: „Früher waren die Tabake bzw. Tabakmischungen viel besser.“ Ich glaube, dass dies im Grundsatz nicht stimmt. Die Blends waren vielleicht anders, aber dass ein Blend, den es seit Jahren nicht mehr gibt, per se besser ist, da aus guter alter Zeit, daran glaube ich nicht. Jede Zeit hat ihre Vorlieben und Stilrichtung und der Markt liefert das, was der Kunde wünscht. Dass die Qualität jetziger Mischungen schlechter ist als bei Blends vergangener Tage, halte ich für einen Mythos. Ich persönlich finde es gerade deshalb etwas schade, dass die Industrie auf diesen Zug aufspringt und neu kreierte Blends, vielleicht angelehnt an das Original, unter alten traditionellen Namen verkauft und diese dann natürlich von Nostalgikern mit dem Original verglichen werden. Mit ein bisschen Verklärung muss das Ergebnis lauten, dass das Original viel besser war. Diese Beurteilung weist jemanden ja auch als Kenner aus und mag für denjenigen auch stimmen, aber die breite Masse könnte mit dem Originalgeschmack vermutlich nicht mehr viel anfangen. Hier bedauere ich mehr, dass es die Herstellervielfalt mit ihren Eigentümlichkeiten nicht mehr gibt und dadurch das Angebot etwas konformer ist. Aber dafür gibt es ja HU Tobacco.:-)

Na, da fällt mir dann doch noch ein Mythos bzw. ein Bewertungskriterium ein, das mich stört. Es geht mir um den geschundenen und negativ belegten Begriff „Mainstream“. Das ist eine Betrachtungsweise, die mir bei der Qualitätsbeurteilung fremd ist. Ein Tabak ist doch nicht schlecht, nur weil er ein gängiges Genre bedient und von vielen Leuten geliebt wird, genauso wenig ist ein Tabak besonders toll, wenn ihn nur sehr wenige mögen. „Der Tabak schmeckt mir, aber er ist halt mainstream.“ Der MB Mixture ist ein irre erfolgreicher Tabak. Ist er deshalb weniger hoch zu bewerten als ein MB Rustica, der vermutlich nur eine kleinere Fangemeinde hat? Oder sind beide Blends nicht einfach nur ein Angebot an unterschiedliche Käufergruppen? „Mainstream“ ist für mich kein Qualitätskriterium und auch die Industrie hat bemerkt, dass der Pfeifentabakmarkt kein Tankstellenmassenmarkt mehr ist. Davon lebt ja auch HU Tobacco. Unsere Kunden sind diejenigen, die bei der Tabakwahl eine persönliche Note suchen, die sich mit der Grundidee identifizieren können und mehr darüber erfahren möchten. Die, die unseren irren Aufwand beim Artwork und der Textierung honorieren. Die, die auch mal einer verrückten Idee offen gegenüberstehen und diese nicht als Anschlag auf die Weltpfeifengemeinde verstehen. Dinge, die der Pfeifenszene vielleicht einen neuen Impuls geben können oder für etwas Spannung und Unterhaltung sorgen. Also Dinge, die alles andere als mainstream sind, aber das sind alles auch Dinge, die als mainstream nicht schlechter wären, nur normaler.

Cigarworld:  Was hältst Du vom Tabak Aging?

Hans Wiedemann: Puuuh, das ist jetzt ‘ne Frage. Ich hatte ja jüngst ein Projekt laufen, dass das Aging in den Mittelpunkt gestellt hat und das sehr kontrovers diskutiert wurde. Das Aging von Tabaken war und ist, gerade in „Kennerkreisen“, ein sehr präsentes Thema. Die Vorzüge des Tabak Agings werden seit Jahren hochgehalten und dieser Umstand brachte mich ja auch auf die Idee, diesem Thema eine kleine Tabakserie zu widmen. Zusammen mit Thomas Nitsche von Kohlhase & Kopp haben wir diese Serie, gerade im Hinblick auf die zu erwartenden typischen Veränderungen, die durch das Agen entstehen, entwickelt. Ich kenne ja die „frischen“ Tabake und war nach den 2 Jahren Lagerzeit baff erstaunt, was die Alterung aus diesen Tabaken gemacht hat. Die Tabakalterung im gemischten Zustand verändert die Mischungen hin zu vollen, weichen, komplexen Blends, die weniger von einem changierenden akzentuiertem Geschmack leben, sondern von ihrem vollen, weichen und ausgeglichenem Charakter. Diese Theorie hat sich bei den drei Blends in Gänze bestätigt und schon allein deshalb sehe ich dieses Projekt als voll gelungen an. Es hat nicht jeder Zeit und Lust zehn Jahre zu warten, um zu sehen wie sich „sein“ Tabak nach dieser Alterung entwickelt hat. Hier hatte jeder die Möglichkeit herauszufinden, ob ihm diese Art von Geschmack zusagt oder nicht. Wie vorher schon einmal gesagt, jeder Blend ist ein Angebot, bei dem jeder für sich entscheiden muss, ob ihm das schmeckt oder nicht. So ein Versuch kann, zumindest für HU Tobacco, nur mit einer begrenzten Menge unternommen werden. Ein Versuch, da keiner wusste, wie sich die Blends entwickeln würden und ob besagte Tabake den Geschmack der Raucher treffen würden. Die Limitierung dieser Tabake war also eine reine Risikoabwägung und hat nichts mit Marketingtrickserei zu tun. Die drei Blends gibt es auch wieder im Jahr 2021, aber ebenfalls wieder nur limitiert. So, nun aber zu meiner persönlichen Meinung zum Agen. Ich bin hier hin- und hergerissen und im Grunde meines Herzens war und bin ich kein leidenschaftlicher „Ager“. Ich liebe es, wenn man die einzelnen Komponenten klar erschmeckt, aber ich bin auch offen und breit genug aufgestellt, um die Vorzüge weicher, harmonischer und dabei komplexer Blends wie aus der Agingserie zu genießen und zu lieben. Alles zu seiner Zeit und unser Hobby lebt ja von der Abwechslung. Von daher freue ich mich selbst auf die nächste Charge, denn meine persönlichen Vorräte sind auch schon alle ☹

Cigarworld:  Wie feucht sollten deine Tabake sein?

Hans Wiedemann: Ich persönlich bevorzuge eher dezent feuchter gehaltene Tabake, da ich diese als weicher und runder empfinde. Wobei hier der Grad schon sehr schmal ist. Sind die Blends zu feucht, tritt das Gegenteil davon ein. Also zwischen 11% und 15% sollte die Feuchtigkeit in meinen Augen liegen. Wobei bei zu hoher Feuchtigkeit ein kurzes Ablüften das Problem meist löst. Ist der Tabake für jemanden zu trocken, wird es schon aufwendiger und es bedarf etwas an Erfahrung. Für mich wären so 12% bis 13% optimal.

Cigarworld: Was wünscht du dir von deinen Kunden?

Hans Wiedemann:…jetzt heißt es aufpassen. Wenn ich jetzt sage, ich bin mit meinen Kunden rundum zufrieden, dann klingt das vielleicht heuchlerisch, aber es entspricht der Wahrheit. Ich habe so viel direkten Kundenkontakt und ich habe dabei so viele Freunde gefunden, dass es echt Spaß macht sich immer wieder etwas Neues für die Jungs und Mädels zu überlegen. Ansonsten ist Kritik richtig und wichtig, sie darf nur nicht persönlich und zerstörerisch sein. Vielleicht etwas mehr Offenheit für neue Ideen sowohl bei den Blends/Aromen als auch bei der Art der Präsentation. Vielleicht auch ein bisschen mehr Empathie für die ganze Arbeit abseits des Tabaks und Nachsicht, wenn mal was nicht gleich perfekt ist. Ansonsten finde ich es richtig toll, dass sich so viele Menschen für die gesamtheitliche Konzeption von HU Tobacco begeistern. Von daher auch mal ein herzliches Dankeschön von meiner Seite aus.

Cigarworld: Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Hans!

Vielen Dank an Steffen Müller für die Genehmigung das wundervolle SW- Portrait von Hans Wiedemann zu zeigen