Alfred Dunhills „The White Spot“ und Poul Winslow gehen neue Vertriebswege

Die Nachricht schlug am Anfang dieses Monats ein wie eine Bombe in unserer Branche. „The White Spot“ – also Alfred Dunhill sowie Poul Winslow – werden ab dem 01.06. 2021 nicht mehr von der Scandinavian Tobacco Group (STG) vertrieben. Mit dieser Nachricht fiel auch die Erklärung zusammen, dass sich die STG in Deutschland bis Ende des Jahres komplett vom Pfeifengeschäft trennen wird.

Poul Winslow und Dunhill arbeiteten über Jahrzehnte mit der STG, ursprünglich noch „Stanwell“, zusammen.  Für den Fachhandel war diese Verbindung zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Man nannte die Marken eigentlich alle in einem Zuge.

Der gebürtige Münchner Kalmon Hener, der die Londoner Traditionsfirma führt, sowie Poul Winslow wissen sich ab nächstem Monat dennoch in Deutschland und Österreich angemessen repräsentiert, denn der Vertrieb geht über an die Firma „Augusta srl.“, die von Marco und Sabrina Parascenzo geführt wird. Marco Parascenzo ist uns persönlich schon bekannt als Vertriebspartner für Castello-Pfeifen. Für einen Großteil des deutschen Fachhandels wird es allerdings ein neuer Name sein. Die Firma „Augusta“ vertreibt Dunhill bereits in Italien, der Schweiz, in Irland und den USA.

Die Firma hat ihren Hauptsitz in Rom, allerdings eröffnet man ebenfalls eine deutsche Niederlassung in Duisburg, von wo auch die Pfeifen versendet werden. Das deutsche Büro der Firma „Augusta“ wird Markus Wirtz leiten, der über Jahre die deutsche Pfeifensparte bei der STG geführt hat. Hier haben wir es also durchaus mit einem sehr erfahrenen und bestens mit den Marken vertrauten Mann zu tun, der den deutschen und österreichischen Fachhandel betreuen wird. Pfeifenrauchern wird Markus Wirtz bestimmt auf Veranstaltungen schon begegnet sein.

Wir wünschen dem neuen Vertriebsteam alles Gute und sind von einem Erfolg überzeugt. Wir haben aber auch die Hoffnung, dass sich die teils sehr kritischen Lieferengpässe, die man von der STG kennt, bessern werden.

Die Pfeifenraucher dürfen mit Sicherheit interessante Neuheiten und Impulse erwarten, denn das Nischenprodukt Pfeife war bei der börsennotierten Aktiengesellschaft Scandinavian Tobacco Group schon seit langer Zeit nicht mehr angemessen vertreten.

Alt gegen neu, komplex gegen flach. Tabakmischungen und Tendenzen.

Haben Sie sich schon einmal den „Spaß“ gemacht und die zahlreichen Filtermöglichkeiten in unserem Bereich für Pfeifentabake angesehen? Dort hat man die Möglichkeit, nach Schnittart, Aromatisierung, Raumnote oder auch nach enthaltenen Rohtabaken zu filtern.

Damit dies möglich ist, hat unser Autor jeden einzelnen Tabak den jeweiligen Kategorien zugeordnet, was mühsam und eine Fleißarbeit gewesen ist. Aber einmal bewerkstelligt, bietet die Zuordnung große Übersichtlichkeit für unsere Kunden. Man nennt diese Merkmale Features, und sie sind bei jedem Tabak unter dem Hauptbild unter „Infos und Fakten“ aufgelistet.

Hier erfährt man unter anderem auch, welche Rohtabake enthalten sind, wie im Bild zu sehen. Abgebildet ist der HU Manyara, der insofern eine absolute Ausnahme ist, als er sage und schreibe sieben verschiedene Rohtabake enthält.

Man bekommt jedenfalls einen guten Eindruck davon, wie die unterschiedlichen Mischungen zusammengesetzt sind. Und man erkennt eine gewisse Tendenz. Vor allem wenn es um aromatisierte Tabake geht, scheint es, dass die Mischungen, die in den letzten 15 Jahren auf den Markt gekommen sind, immer weniger Komplex in der Zusammensetzung geworden sind.

Hier als Beispiel ein sehr aktueller Tabak, die Kohlhase & Kopp Easter Edition 2021. Enthalten: Virginia und Black Cavendish. Genau dieselbe Zusammensetzung bei zahlreichen anderen aromatisierten Tabaken, die in letzter Zeit auf den Markt kamen. Hin und wieder schleicht sich noch ein wenig Burley mit ein, aber weitere Tabake sucht man vergebens. Auch was die Schnittarten betrifft, sind Loose Cut oder Mixture (in der Regel fast dasselbe, die Hersteller nehmen es hier leider nicht sehr genau) absolut vorherrschend.

Im Vergleich dazu schauen wir uns einmal den Stanwell Melange an, der zur Jahrtausendwende auf den Markt kam.

Hier erkennt man zumindest etwas Variantenreichtum. Virginia, Black Cavendish, Burley und Orient. Ein Tabak, der definitiv zu den den Hocharomaten gehört, aber etwas mehr Abwechslung im „süßen Einerlei“ darstellt.

Geht man noch etwas weiter zurück bis in die 60er und 70er Jahre, wird der Unterschied zu heutigen verbreiteten Tabaken noch deutlicher.

Hier die Mac Baren „Mixture“ Scottish Blend, die wohl jeder einmal probiert hat. Insgesamt werden vier verschiedene Tabakarten aufgelistet, aber der Hersteller gibt an, das 32 verschiedene Tabaksorten enthalten sein sollen. Wenn das nicht mal vielschichtig ist!

Man darf sich jetzt Fragen? Was für Auswirkungen hat das? Ist es negativ? Positiv?

Das muss jeder selbst für sich beantworten. Jedenfalls scheint es so zu sein, dass Mischungen, die es schon seit langer Zeit auf dem Markt gibt, sich Komplexität und geschmacklichen Tiefgang erhalten zu haben, die neue Mischungen oft nicht mehr haben. Ein Tabak, der aus Virginia und Black Cavendish besteht, hat nicht ein so großes Aromenspektrum wie ein Tabak, der auch noch durch Burley und Orient ergänzt wird. Der Burley liefert Würze, der Orient Blumigkeit und etwas Säure.

Die Aromatisierung gewinnt dadurch immer mehr an Wichtigkeit, denn wenn die Mischungen nur noch ein „Einerlei“ sind, kann man sich nur noch durch unterschiedliche Aromenzusätze unterscheiden. So wird wiederum dieser Trend verstärkt, denn wenn der Tabak eh keine Rolle mehr spielt, kann man auch deutlich schlechtere Qualitäten verarbeiten oder, wie bei Zigaretten- und Billig-Zigarren auf Bandtabak und auf Beimischungen von Papier, zurückgreifen.

Wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen, aber wer weiß…?

Auch unterschiedliche Schnittarten bringen etwas mehr Abwechslung in die Tabakbar. Insbesondere wenn Sie Freund von süßen Tabaken sind. Haben Sie zum Beispiel schon einmal den Belle Epoque oder Danish Dice probiert? Ein Cube Cut liefert ein anderes Geschmacksbild als ein „herkömmlicher“ Loose Cut.

Insofern möchten wir Sie motivieren, auch einmal zu Klassikern zu greifen. Oder mal wieder einen Tabak zu probieren, den Sie vielleicht lange Jahre nicht geraucht haben. Womöglich wartet eine interessante Genusserfahrung auf Sie!

Gastautor Dr. Michael Sauer: Über die Lust, Pfeifen kaputt zu pflegen! 

Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir hier Leander Hirthe als Gastautor, den wir unserer Meinung zu Recht als „Deutschlands bekanntesten Peterson-Sammler“ bezeichneten. Wenn wir nun zu unserem nächsten Gastautor kommen, müssen wir auch wieder den Bogen zu Peterson schlagen. Denn Dr. Michael Sauer (auch bekannt als „Dr.MiSau), Chemiker, ist mit Sicherheit Deutschlands bekanntester Peterson- Fachmann. Kaum eine Serie die ihm nicht bekannt ist, kein Shape das er nicht schon einmal in der Hand hatte, und keine Silberpunze die unidentifiziert bleibt. Und er ist ein rühriger, hilfsbereiter Pfeifenfreund, den man gerne um Rat und Tat im Social- Media Umfeld fragt.

Ihn haben wir gefragt welches Thema er in unseren Blog gerne einmal herausstellen möchte. Seine Antwort war ganz klar „Die Lust der Leute Ihre Pfeifen kaputt zu pflegen“. Lesen Sie nun seine Betrachtungen zu diesem Thema:

In letzter Zeit geisterten wieder zahllose Pflegeempfehlungen durch die einschlägigen Pfeifen-Social-Media-Gruppen, Hilferufe der Art: „Meine Pfeifen riechen nach Rauch – was kann ich tun?“ bis hin zu ausführlichen Anleitungen, eine Pfeife durch Pflege nachhaltig zu ruinieren. 

Und immer wieder steht die unsägliche Salz-Alkohol-Methode im Mittelpunkt der Freveltaten an armen unschuldigen Pfeifen…

Wenn ich mich recht erinnere, wurde diese Methode erstmals von R.C. Hacker schwarz auf weiß festgehalten, sie ist aber vermutlich weitaus älter. Ziel dieser Methode ist es, schlechte Geschmäcke, Muff und Ranz aus dem Pfeifenkopf zu vertreiben – bei Pfeifen, die man zur Aufarbeitung gebraucht erworben hat.

Dazu kann man notfalls mal diese Methode in Ausnahmefällen heranziehen. Wirkungsvoller und mithin schonender funktioniert aber eine Ozonkammer, wie Christian Oehme sie bspw. hat.  

Immer öfter aber tauchen Posts auf, wo voller Freude berichtet wird, dass man seine eigenen Pfeifen mehrmals im Jahr auf diese Art und Weise malträtiert – und das ist so zielführend wie Seidenblusen in die Kochwäsche zu geben.

Schauen wir uns das Prozedere einmal genau an: zuerst einmal muss die KOMPLETTE Kohleschicht aus dem Kopf geschliffen werden (Dremel), bis wirklich wieder das blanke, helle Holz freiliegt. Dann füllt man Kochsalz in den Kopf und gibt einige Tropfen reinen Alkohol zu. Der Alkohol fungiert in diesem Falle als Löse- und Transportmittel – er löst das Kondensat, welches in das Holz eingedrungen ist, aus diesem heraus und transportiert es in das Kochsalz. Das funktioniert, weil das Kochsalz ein hohes Potential hat, Stoffe in sein Kristallgitter einzulagern!

Ein kleiner Ausflug in die Chemie: Kochsalz hat einen kubischen Kristalltyp, der sich in der Raumgruppe Fm3m ausprägt. Im Kristallgitter sind genügend Lücken, in denen sich diverse Stoffe einlagern können – in diesem Falle das Kondensat in seinem Transportmittel Alkohol. Das funktioniert eben, weil das Kochsalz ein solch hohes Einlagerungspotential hat, und förmlich funktioniert wie ein Schwamm. Dazu aber muss das Einlagerungspotential des Salzes eben höher als das des angrenzenden Mediums sein, in dem Falle Bruyereholz, – wäre es das nicht, würde es nicht funktionieren. Das ist auch der Grund, warum bis aufs blanke Holz ausgeschliffen werden muss – lasse ich die Kohleschicht in der Pfeife, funktioniert die Methode nicht. Idealisiert ist die Kohleschicht nichts anderes als Aktivkohle, und die hat selber ein so hohes Einlagerungspotential, dass da im Wesentlichen nichts vom Salz herausgesaugt werden kann! Wer also die Salz-Alkohol-Methode mit nicht ausgeschliffenen Pfeifenköpfen durchführt, kann es im Grunde auch direkt lassen. Diese Überlegungen führen zu einer weiteren Methode, in der man nicht Salz in den ausgeschliffenen Pfeifenkopf füllt, sondern Aktivkohle, und als Transport- und Lösemittel wird hier Wärme eingesetzt – die so befüllten Pfeifen müssen (ohne Mundstück!!!) in den Backofen.

Beiden Verfahren gemein ist aber eben die Tatsache, dass sie nur bei blank ausgeschliffenen Pfeifenköpfen zufriedenstellend funktionieren, um die benötigte Differenz im Einlagerungspotential zu erzielen. Das bedeutet, dass ich natürlich nach Beendigung der Prozedur wieder die Pfeife komplett neu Einrauchen muss, und dabei verbrenne ich selbstverständlich, wie beim ersten Einrauchen auch, die obere Bruyereschicht wieder zu Kohle – das ist gewollt und muss so sein!

ABER!!! Wende ich nun diese Salz-Alkohol-Methode (oder auch die Aktivkohlemethode) regelmäßig an, bedeutet das, dass ich jedes Mal die gebildete Kohleschicht beim Ausschleifen entferne und wieder beim Einrauchen ein bisschen Bruyere in Kohle verwandele.

So wird die Wand des Pfeifenkopfes dünner und dünner, und irgendwann sieht sie dann mal so aus wie im ersten Bild – hier ist der Durchbrenner vorprogrammiert!

Im Vergleich dazu eine entsprechende Pfeife mit der Originalwandstärke im 2. Bild. Deswegen sollte dieses Verfahren die absolute Ausnahme bleiben und nicht zur Regel werden – die meisten Pfeifen werden nicht kaputt geraucht, sondern kaputt gepflegt!!!

Darüber hinaus wird gerade die Salz-Alkohol-Methode auch oft schlichtweg falsch ausgeführt. Man MUSS reinen Alkohol nehmen! Viele arbeiten aber mit 70%igem Alkohol, weil sie den zur Reinigung und Desinfizierung eh rumstehen haben. Und neulich wurde gar einmal Zitronensaftkonzentrat auf das Kochsalz im Pfeifenkopf geträufelt, weil man damit ja auch auf einem Pfeifenreiniger prima die Rauchkanäle enzymatisch neutralisierten kann. Was passiert bei solchem Vorgehen? Warum MUSS der Alkohol möglichst wasserfrei sein, warum DARF kein Wasser auf das Salz? 

Salz ist in Alkohol unlöslich, in Wasser löslich. Wenn man 70%igen Alkohol verwendet, haben wir eben 30% Wasser, das, genau wie der Zitronesaft, der auch im Wesentlichen aus Wasser besteht, das Salz im Kopf auflöst. Nun zieht das gelöste Salz ins Holz ein, das Wasser verdunstet peu a peu, und das Salz kristallisiert im Holz wieder aus. Raucht man die Pfeife, und sie wird warm, dehnt sich das Salz sehr stark aus und sprengt regelrecht die Holzoberfläche im Kopf.

Ich selber habe dieses Folterverfahren für Pfeifen bei meinen eigenen, die ich neu gekauft habe, noch nie praktiziert. Und die sind zum Teil schon seit über 40 Jahren im Betrieb.

Und auch bei Pfeifen, die gebraucht zu mir kommen, bin ich äußerst vorsichtig und zurückhaltend damit – selbst wenn sie extremst verdreckt sind. 

Nach erfolgter Säuberung, Desinfektion und Neutralisierung reduziere ich den Cake angemessen und dann rauche ich die aufgearbeiteten Pfeifen zuerst einmal Probe. Daraufhin entscheide ich, ob ich sie derart quäle oder nicht. Bisher habe ich tatsächlich solche Methoden bei ca. 200 Pfeifen, die ich wieder flott gemacht habe, höchsten 5 oder 6 Mal anwenden müssen! Ich rauche halt Pfeifen lieber, anstatt sie zu ruinieren! 

Also, meine ganz persönliche Empfehlung: Salz auf´s Ei, Alkohol in den Hals, und Pfeifen, die wirklich miefen in die Ozonkammer! 

Pfeifen- Pflegeprodukte von Christian Oehme finden Sie übrigens hier.

Ab nächster Woche bei uns im Shop: Der neue Mac Baren Classic (ehem. Vanilla) Roll Cake

Ab Mitte nächster Woche wird die Mac Baren „Classic“ Familie mit dem Mac Baren Classic Roll Cake Verstärkung bekommen. Pfeifenfreunde in den USA hatten schon ein halbes Jahr früher das Vergnügen ihn zu erwerben. Damit wird das Sortiment, das bisher schon aus dem Loose Cut und dem Flake besteht sinnvoll ergänzt.

 

Roll Cakes gehören seit jeher zu den Kernkompetenzen des Herstellers, der sich auf dessen Herstellung er sich spezialisiert hat. So war die Ergänzung der erfolgreichen „Vanille- Produktlinie“ mit einem Roll Cake der nächste logische Schritt.

Aber anders als die bisherigen Mischungen wird bei der Roll Cake Variante auf eine andere Zusammensetzung gesetzt. Hier spielt Virginia die absolut dominante Hauptrolle, ergänzt von wenig Burley.  Der sonst bei diesen Mischungen häufig verwendete Black Cavendish findet sich gar nicht in den Strangtabakstücken. Das gibt ihm geschmacklich deutlich mehr Struktur, und macht ihn auch für Freunde von Virginias und naturnaher Mischungen interessant.

Man darf sich aber nicht täuschen, Geschmacklich geht der Classic Roll Cake aber durchaus in die vollen. Die „Volle Vanille Dröhnung“. Aber die Komposition ist so gekonnt, so warm und rund das man sich an weihnachtliche Vanillekipferl erinnert fühlt. Dabei bleibt die Aromatisierung natürlich und harmonisch. Falls also hier ein Tabakmischer mitließt: So geht Vanille! Das Gegenteil von Chemisch, aufgesetzt und unharmonisch.

Der Autor hat kaum jemals einen anderen Tabak geraucht, der tatsächlich so sehr schmeckt wie er riecht. Also auf jeden Fall „Ehefrau-kompatibel“. Duftet gut, und schmeckt toll.

Beim Stopfen muss man allerdings Vorsicht walten lassen. Am besten die Curlys etwas aufrubbeln, und gerne etwas lüften lassen. Wobei er durchaus nicht zu feucht ist. Er benötigt ein paar Streichhölzer mehr bevor er vernünftig glimmt, aber das kennt man ja von Curly Cuts.

Mac Baren Twists, Roll Cakes oder Curlys- wie man es auch immer nennen möchte- werden mit einem hohen Maß an Handarbeit hergestellt. Die Tabake werden per Hand ausgewählt und aufgeschichtet, bevor eine Rollmaschine die „Wurst“ rollt. Dabei können nur Tabake mit einer einwandfreien Struktur verwendet werden, da sonst der Twist nicht den nötigen halt hat. Damit er den nötigen Halt hat, werden im übrigen alle Twists mit Ahornzucker besprüht, der sich geschmacklich aber kaum bemerkbar macht.

Der neue Mac Baren Classic Roll Cake dürfte ab Mitte nächster Woche (21/22.04.21) bei uns im Shop zu finden sein. Angelegt ist er schon, sie finden ihn hier: Mac Baren Classic Roll Cake .

Viel Spaß beim probieren!

Vielen Dank an Per Georg Jensen von Mac Baren für die Informationen und die Fotos.

Neue Neerup- Pfeifen von Peder Jeppesen aus Dänemark bei Cigarworld

Es ist einige Zeit her, das wir ein aussagekräftiges Sortiment Neerup- Pfeifen bei uns im Shop hatten. Denn an die Pfeifen von dem dänischen Pfeifenmacher Peder Jeppesen kommt man im Moment nicht besonders einfach. Dies hat vor allem mit seinem Erfolg zu tun, den er besonders in den USA hat. So geht ein Großteil seiner Produktion über den „großen Teich“.

Ein weiterer Grund warum seine Pfeifen in Deutschland schwer zu finden ist, das er hierzulande keinen Distributor mehr hat. Bis vor einigen Jahren war dies noch der Fall, und die Außendienstler fuhren mit zahlreichen Pfeifen zu den Fachgeschäften. So waren seine Pfeifen recht verbreitet zu finden. Mittlerweile vertreibt Peder seine Pfeifen direkt, und so muß man als Fachhändler schon aktiv auf ihn zugehen, um eine Chance zu haben an seine Pfeifen zu gelangen.

Als Plattform dient ihm vor allem Social Media, insbesondere Instagram. Hier werden neue Pfeifen gepostet, man bekommt einen Eindruck von der Werkstatt und seiner Arbeitsweise. Wer Peder Jeppesen kennt, weiß das er vor allem ein handfester Handwerker ist. Sein Platz ist in der Werkstatt. Deshalb kümmert sich um Social Media, Vertrieb, Versand und Kundenkommunikation vor allem seine Frau Bettina. Sie ist aber auch für den „letzten Schliff“ vor dem Versand zuständig. Auch seine Kinder helfen wo sie können, sein Sohn Christian kümmert sich auch um das Shaping. So können Sie sich sicher sein, das Ihre Neerup- Pfeife aus einem echten Familienunternehmen stammt.

Der Name „Neerup“ geht übrigens auf den Geburtsnamen seiner Großmutter zurück. Auf einigen Märkten waren seine Pfeifen übrigens unter dem Namen „Jeppesen“ im Umlauf. Mittlerweile hat er diesen Umstand aber vereinheitlicht, und alle Pfeifen mit „Neerup“ gestempelt.

Wie so oft in der Pfeifenbranche gibt es zahlreiche Verästelungen und Verbindungen zu anderen großen Namen der Branche. Denn sein Handwerk hat Peder Jeppesen beim bekannten Pfeifenmacher Karl Erik Ottendahl gelernt, der leider 2004 verstorben ist. Danach ging es für ihn weiter bei einem anderen bekannten Namen, nämlich zu Erik Nørding, wo er jahrelang als Pfeifenmacher arbeitete. Kommen wir zu einem weiteren Namen, der vielen von Ihnen ein Begriff sein dürfte. Per Georg Jensen ist bekannt als „Mastermind“ bei Mac Baren und ausgewiesener Tabakfachmann. Doch seine „Wurzeln“ liegen eigentlich bei der Pfeife. Denn Per Georg Jensen war Inhaber einer gar nicht so kleinen Pfeifenmanufaktur. Der eine oder andere wird mit Sicherheit noch eine „Georg Jensen“ in seiner Sammlung haben. Als die Manufaktur Anfang der 2000’er ins schlingern geriet (gestiegene Produktionskosten in Dänemark), wurde sie geschlossen. Peder Jeppesen nutze die Gelegenheit, und kaufte den kompletten Maschinenpark. Dies war für ihn die Chance sich selbstständig zu machen. Ein Wunsch, den er schon lange hegte.

Dieser Maschinenpark ist maßgeblich für seine Arbeitsweise heutzutage verantwortlich. Denn die Serien Classic, Structure und Basic werden an der Kopierfräse vorfabriziert. Das heisst ein Kopiermuster wird „abgetastet“ und zwei Bruyerekanteln werden anhand dieses Muster grob vorgeformt. Dies spart eine Menge Arbeit, und ist maßgeblich für die erschwinglichen Preise bei Neerup- Pfeifen verantwortlich. Auch die Mundstücke dieser Serien sind vorgefertigt. Ein weiteres wirtschaftliches Zugeständnis. Aber so kann Peder sehr individuelle Pfeifen für fast jeden Geldbeutel anbieten. Und der Erfolg gibt ihm auf jeden Fall Recht.

Hier ein kurzes Video zur Fertigung auf der Kopierfräse:

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Die andren Serien sind und bleiben handgemacht. Man sieht es oftmals auch an den Shapes. Wirklich außergewöhnliche Formen sind selbstverständlich nur per Hand formbar. Die Serien Ida Handmade, Boutique und Giant sind zu 100% handgemacht.

Zu seinem Erfolg gehört ebenfalls, das seine Pfeifen schon früh eine eigene Handschrift hatten. Kurze, kompakte Formen, auch kürzere Mundstücke als gewöhnlich. Das Spiel mit Farben, und Kontrastbeizung selbst bei sandgestrahlten Pfeifen sind für seine Pfeifen typisch. Als Pfeifenraucher sieht man schnell, das kann nur eine Neerup sein!

Wir freuen uns jedenfalls, das wir etwas über 30 Pfeifen von ihm bekommen haben. Auch für die Freunde von Lesepfeifen ist einiges dabei, aber schauen sie selbst bei uns in den Shop!

Vielen Dank an Bettina Jeppesen für die Freigabe der Fotos und die Erlaubnis diese hier zu veröffentlichen.

Gastautor Dr. Leander Hirthe: Geschichtliches sowie Portrait der Pfeifenmarke Peterson.

Vorwort: Als wir den letzten, deutlich kürzeren Beitrag zu Peterson verfassten, standen wir in Kontakt mit dem wohl bedeutendsten Peterson– Sammler Deutschlands, Dr. Leander Hirthe. Und es drängte sich die Frage auf, warum wir Ihn nicht selbst einmal an dieser Stelle zu Wort kommen lassen wollen. Gesagt, getan. Unten stehend finden Sie seine Betrachtungen zu der Pfeifenmarke die er leidenschaftlich liebt. Peterson.

Beschäftigt man sich mit Pfeifen und Pfeifengeschichte, führt kein Weg an Peterson vorbei. Heute gestempelt mit „Peterson of Dublin“ (seit 2001), hat sich so viel in Dublin nicht verändert. Der Peterson Pfeifenladen ist inzwischen aber über den Fluss nach Süden in die Nassau Street gezogen. 2015 feierte das Unternehmen 150-jähriges Jubiläum und gehört damit zu den ältesten im Pfeifengeschäft. Zu diesem Anlass gab es auch ein offizielles Buch mit einer detaillierten Wiedergabe der Geschichte. Dieser Beitrag versucht sich in einer kurzen Geschichte bzw. einem Portrait über diese Ikone der Pfeifenwelt. 

Oben: Systempfeifen, Antique-Modelle, Literatur

Es begann 1865, vorerst nur mit dem Verkauf von Meerschaumpfeifen, mit den zwei aus Nürnberg stammenden Brüdern Friedrich und Heinrich Kapp. In Ruhla, unweit ihrer Heimatstadt Nürnberg, erschienen um 1767 die ersten Meerschaumpfeifen. Bis etwa 1830 wurden sie aber nur in kleinen Mengen hergestellt und verkauft. Beide Brüder starteten fernab der Heimat als Hersteller von Meerschaumpfeifen in London (Dean Street im Distrikt Soho), trennten sich bereits drei Jahre später, blieben aber bis 1874 in London. Heinrich war bis zu seinem Tod zehn Jahre später hier ansässig, während Friedrich nach Dublin zog, wo er in seinem Geschäft in der Grafton Street sowohl Meerschaum- als auch Bruyèreholzpfeifen verkaufte. Bruyère war allerdings zu dieser Zeit noch ein recht neues Material in der Pfeifenherstellung (ca. ab 1850) und Dublin ein Markt, der anders als London noch erobert werden musste.

Oben: Seltene Freehand- Modelle

Ein Charles Peterson aus der lettischen Hauptstadt Riga wanderte um 1876 nach Dublin aus und erschien im Pfeifenladen von Friedrich in der Grafton Street. Er wurde von Friedrich Kapp als Handwerker engagiert, um handgefertigte Bruyèrepfeifen herzustellen. Die Kenntnisse hatte sich der 24-Jährige bereits vorher erworben, und er erwies sich alsbald als Experte, der in nur wenigen Jahren zum Rückgrat des Geschäfts wurde. 1881 und 1882 starben Friedrich und seine Frau. Charles Peterson leitete das Geschäft („Kapp Brothers“) weiter und sorgte sich um die beiden Söhne von Friedrich, welche zu dieser Zeit zehn und zwölf Jahre alt waren. Als sie alt genug wurden, um in das Familienunternehmen einzusteigen, beschloss Christian Kapp, seinen Anteil aufzugeben, und veräußerte ihn an seinen Bruder Alfred sowie Charles Peterson. So änderte die Firma 1893 ihren Namen in „Kapp & Peterson“. Friedrich Henry Kapp, Alfreds Sohn, trat 1914 in die Firma ein, während Charles Peterson 1919 in Hamburg starb. Seit dem Tod von Friedrich Henry Kapp im Jahr 1972 hat die Firma mehrmals den Besitzer gewechselt. Einbrüche gab es zwischenzeitlich durch die Popularität von Zigaretten und das Aufkommen von Freehandpfeifen. Der Eigentümerwechsel im Jahr 1991 markierte den Beginn der Tom-Palmer-Ära. Sie führte erneut zu einer Reihe positiver Entwicklungen.

1995 kaufte Palmer auch die Anteile seines Partners auf und wurde alleiniger Eigentümer der Firma. Er machte sich sofort an die Arbeit und krempelte das Geschäft erfolgreich um. Der Name Kapp ist im Firmennamen erhalten geblieben, aber die Pfeifen sind ausschließlich als „Peterson“-Pfeifen bekannt. Neben der Fortsetzung traditioneller Linien erhielten einige altbekannte Serien ein neues Finish (z.B. Dublin Castle, Rock of Cashel oder Rosslare). Es entstanden aber auch neue Shapes, Linien und Sammlereditionen. So wurde 1997 auch eine Jahrespfeife eingeführt, und 2018 wurde das Unternehmen vom amerikanischen Firmenkonglomerat „Laudisi Enterprises“ übernommen. Laudisi betreibt unter anderem die bekannte Website smokingpipes.com. Dabei setzt Laudisi verstärkt auf klassische Akzente und mit dem neuen Betriebsleiter Giacomo Penzo, einem italienischen Pfeifenmacher, wieder betont auf Qualität und eine herausragende hauseigene Sandstrahlung. Überhaupt rührten die heute in Deutschland noch oft erwähnten Qualitätsmängel von einem Generationswechsel in der Belegschaft her. Neben einem enormen Mangel an geeigneten Handwerken wurde das Know-how offenbar nicht immer zuverlässig weitergegeben. Diese Phase kann aber als überwunden betrachtet werden. Produzierte Peterson einst, in den sechziger und siebziger Jahren, 250.000 und Ende der neunziger Jahre noch 125.000, so sind es aktuell ca. 80.000 Pfeifen pro Jahr (Stand 2007 u. 2016, aktuell werden keine Angaben mehr gemacht). Dafür Sorge tragen ca. 30 Mitarbeiter (Stand 2007). 

Oben: Aktuelle Farbbeispiele und dennoch unverkennbar Peterson

Der Anspruch und die Philosophie von Kapp & Peterson waren es, von Beginn an feine, funktionale und robuste Pfeifen zu produzieren, die sich die normale Person leisten konnte und die das Rauchen von Pfeifen besonders angenehm machen würden. Hierbei folgte ab 1891 eine Reihe von Patenten, bei denen die funktionalen Aspekte von Pfeifen im Vordergrund standen. Ziel war eine technisch perfekte Pfeife. So entstand die Peterson System Pfeife bzw. das Peterson System. Dieses basierte auf einer speziellen erweiterten Bohrung im Inneren des Holmes und des Mundstücks. Eine Aussackung/Reservoir im Holm sammelt Kondensat für einen trockenen Rauchvorgang. Erweiterung erfuhr das System durch eine besondere Form des Mundstücks. Das Lippenbiss, oder auch P-Lip Mundstück (patentiert 1898, aktuell etwa die Hälfte der Produktion), lässt über ein nach oben zeigendes Zugloch den Rauch zum Gaumen aufsteigen, so dass eventuell auftretendem Zungenbrand entgegen gewirkt wird. Das Peterson System war von Beginn an ein großer Erfolg und zeigt, dass bereits zu dieser Zeit Mittel und Wege gesucht wurden, um etwaiger Feuchtigkeit oder Bissigkeit beim Rauchgenuss entgegenzuwirken. Da nicht jeder Raucher mit diesen Problemen zu ringen hat, waren auch nicht alle Pfeifenraucher vom System begeistert. So wurde z.B. das P-Lip kritisiert, da sich nun statt der Zunge der Gaumen gereizt zeigte. Befürworter des Peterson Systems schwärmen von einem kühlen und trockenen Rauch und Zungenbrand, der der Vergangenheit angehört. In jedem Fall brachte die Patente (bis 1905) schnell internationales Ansehen und trugen zu einer Einzigartigkeit der Pfeifen bei. Denn für das System musste der Holm sehr massiv gehalten sein und Solidität vermitteln. Dieser kräftige Holm ist die Grundlage der klassischen Peterson-Formästhetik.

Oben: Peterson High Grades

Strenge und funktionale Formen mit einer interessanten Maserung, meist Crossgrain, zeichneten Peterson Pfeifen schon recht früh aus. Gleichzeitig verwendete Peterson gewisse Preisklassen, die heute noch, besonders bei den Systempfeifen, zu bemerken sind. Oberer Bereich mit zum Teil handgefertigten, kräftigen Mundstücken mit Sterlingsilber Applikationen und Metall Condenser (Stinger). Mittlerer Bereich mit Pressmundstück, ohne Condenser und Silberband. Unterer Preisbereich mit Pressmundstück und Nickelband. Unabhängig vom Preis bekam und bekommt jedoch jeder die Praktikabilität und Solidität des Peterson-Systems angeboten. So heißt es noch heute: „Der denkende Mann raucht eine Peterson Pfeife“ („The thinking man smokes a Peterson pipe“). Robuste Alltagspfeifen waren schon immer das Markenzeichen dieser Firma. Die Preispolitik hat sich im Laufe der Jahre kaum verändert. Die weniger teuren Pfeifen sind immer noch nicht so teuer wie die anderer Marken. Das System wird immer noch hergestellt.

Warum eine Peterson? Es folgt ein persönlicher Blick auf Peterson. Warum ich den Pfeifen der ältesten, kontinuierlich betriebenen Pfeifenfabrik der Welt verfallen bin? Das Thema Pfeifen ist wie viele Genussthemen ein hoch emotionales. Petersons sind objektiv betrachtet im Detail vielleicht nicht die qualitativ besten Pfeifen und dennoch machen diese Perlen aus Dublin etwa 80 Prozent meiner umfangreichen Sammlung aus. Warum? Peterson haben zum einen Charme, Seele und Charakter. Zum anderen vereint kein anderer Serienpfeifenhersteller für mich so perfekt geschichtliches Erbe und Moderne wie Peterson. Während Firmen wie Vauen sehr innovativ sind oder etwa Dunhill einen Garanten der Zeitlosigkeit darstellt, geht Peterson seinen ganz eigenen Weg zwischen diesen Welten. Peterson bietet Eleganz ähnlich der englischen Klassik, aber auch stets ein gelungenes Gespür für Pepp und Zeitgeist. Dabei bleibt sich das Unternehmen immer treu. So kann man heute noch Pfeifen wie aus den Anfangsjahren kaufen (z.B. Systempfeifen), Linien die bereits in den Siebzigern existierten (z.B. Donegal Rocky) oder aber einen gewissen zeitgenössischen Pfiff (z.B. Dracula, St. Patricks Day 2021). Dass selbst bei den zeitgenössischen Modellen die Shapes weitestgehend aus dem klassischen Shapekatalog stammen und sich zudem hinsichtlich Oberflächenanmutung und Art der Applikationen (Zierringe) kaum von früheren Modellen unterscheiden, ist eine Eigenart, die nur Peterson bietet. Sich weiterentwickeln ohne zu vergessen woher man kommt, ist das Geheimnis von Peterson. Besonders aktuell ist wieder ein Rückblick auf die umfangreiche Historie spürbar. So präsentieren sich viele historische Shapes in den aktuellen Jahrespfeifen. Vieles was an Anpassung an den Zeitgeist anmutet, ist es in Wahrheit gar nicht. So fand z.B. der unterbrochene Zierring bei einigen Sherlock Holmes Baker Street Modellen (das Shape sowieso) bereits bei Petersons der zwanziger Jahre Anwendung. Auch das modern wirkende, gelbe Acrylmundstück der Rosslare Modelle findet sich als Variante aus echtem Bernstein an Pfeifen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die angesagten Devil Anse Shapes sind ebenfalls bereits in uralten Peterson-Katalogen zu finden (Jap Shapes). Peterson of Dublin ist 156 Jahre alt und noch kein bisschen müde. Die Beliebtheit dieser Pfeifen ist weltweit ungebrochen. Aus diesem Grund sind auch gut gepflegte gebrauchte Petersons sehr wertstabil. Zünden Sie sich eine Peterson an und lassen Sie sich von ihrem irischen Charme mitreißen. 

Oben: Peterson Jahrespfeifen, Favoriten des Autors

Irischer Charme? Moment mal! Made in Irland stimmt das überhaupt noch? Selbstverständlich! „Natürlich werden grob vorgearbeitete Köpfe bei allen möglichen Zulieferern hinzugekauft.“ Von ursprünglich zehn Lieferanten auf zwei: Gardesana, Italien, und Navarro, Spanien; Mundstücke: Macchi und Giudici, beide aus Italien. Das bestätigte schon der legendäre Werksmeister Tony Whelan im Pipes and Tobacco Magazine. Übrigens: Dies ist absolut geläufige Praxis bei ALLEN Serienpfeifenherstellern und wird auch schon seit über 100 Jahren genauso praktiziert. Daran ist also nichts verwerflich. Die Seele wird der Pfeife erst in Dublin eigehaucht – Bohrung, Oberflächenfinish, Beizung, Zieringe, Mundstücke etc. –, wo viele Maschinen 50 Jahre und viel älter sind. Ja, sie wird dort erst zur Pfeife. Wer sich einmal mit Serienpfeifenherstellung beschäftigt hat, ist zudem überrascht, wie viele Arbeitsschritte auch dort noch echte Handarbeit sind. Peterson ist da keine Ausnahme. 

Oben: Peterson Sherlock Holmes Modelle

Die zeitliche Datierung einer Peterson bleibt immer eine Herausforderung, ist aber durchaus möglich. Hierfür benötigt man immer jeden Aspekt der vorliegenden Pfeife und gegebenenfalls viel Hintergrundwissen. In Summe helfen Silberpunzierungen (falls vorhanden und lesbar), Holzstempel, Art des Shapes, Linie und Finish für eine Eingrenzung. Eine erste grobe Einordnung bietet die Zeitlinie anhand der Holzstempel:

1915 – 1922 Made in Ireland (Blockschrift), davor kein Landesstempel

1923 – 1937 Irish Free State

1938 – 1942/43 Made in Eire (im Kreis)

1942 – 1946 Made in Ireland (im Kreis)

1947 – 1949 Made in Ireland (Blockschrift). Beachte: Es gab Sondermodelle und Fehlstempelungen mit diesem Stempel auch nach 1970

1950 – 2001 Made in the Republic of Ireland

2001 – bis heute Peterson of Dublin

Der Autor bedankt sich besonders bei seiner Frau Theresa, die sich bezüglich seiner Pfeifenleidenschaft immer verständlich zeigt und ihn unterstützt. Außerdem bei Glen Whelan und Christian Probst.

Weiter widmet der Autor diesen Beitrag dem unvergessenen Petenut Jim Seamus „The Sandpiper“ Lilley, sowie dem einstigen IPPC (International Peterson Pipe Club) und natürlich Peterson of Dublin. 

Oben: Das Shape XL90 im Wandel der Zeit

Quellen in alphabetischer Reihenfolge:

Al Pascia https://www.alpascia.com/en/homepage

Cigarworld Pipes http://blog.cigarworld.de

Europas Pfeifenmacher, Marken und Modelle. Delius Klasing Verlag 2007

Peterson Collector Blogspot http://thepetersoncollector.blogspot.com

Peterson Pipe Book “The Peterson Pipe – The story of Kapp & Peterson” Briar Book Press 2018

Peterson of Dublin https://www.peterson.ie/

Peterson Pipe Notes https://petersonpipenotes.org/

Pfeifen – Die Pfeifenmacher der Welt, Marken und Modelle. Wilhelm Heyne Verlag 1999

Pipepedia https://pipedia.org/wiki/Main_Page

Pipephil http://www.pipephil.eu/

Pipes and Tobacco Magazine Ausgaben Winter 2013 und Summer 2016

Verfasser: Dr. Leander Hirthe aka „Captain Pete“ aka „Dr. Pete“.

Vorabinfo: Kopp Pipes weckt die alte Marke „Barling“ aus dem Dornröschenschlaf

Neuigkeiten vom Importeur und Distributor Kopp Pipes: Der rührige Oliver Kopp konnte sich die internationalen Markenrechte für die alte englische Traditionsmarke Barling sichern – und man plant Großes!

Lange Zeit lag die Marke brach, dabei ist sie im englischsprachigen Ausland sehr bekannt und ihre Sammler sind zahlreich. Man wähnte Barling zeitweise sogar auf demselben Qualitätsniveau wie Dunhill. Dementsprechend werden für Sammlerstücke auf Onlineplattformen Höchstpreise erzielt.

Zurück geht die Marke auf Benjamin Barling, der 1812 die Marke gründete und zunächst Meerschaumpfeifen mit aufwändigen Silberarbeiten aufwertete. In den frühen 1900er Jahren schwenkte man über zu einer eigenen Bruyèrepfeifen-Produktion in Camden Town, mitten in London. Die weitere Geschichte ist sehr wechselhaft, aber gut dokumentiert. Sammler unterscheiden zwischen drei Zeiträumen, in denen sich alte Barling-Pfeifen einordnen lassen. 1. „Pre-Transition“ von 1812 bis 1960, 2. „Transition“ von 1960 bis 1963. 3.“Post Transition“ von 1963 bis jetzt. Die teuersten Sammlerstücke sind natürlich aus der frühesten Epoche. Wer sich weiter mit der Geschichte dieser Marke auseinandersetzen möchte, dem sei der sehr umfangreiche Pipedia-Artikel empfohlen.

Die Firma Kopp Pipes hat sich dieser Marke jedenfalls angenommen und plant einen zugleich modernen, wie auch wundervoll altmodischen Ansatz. Im frühen 20. Jahrhundert konnte man bei englischen Serienpfeifen unter zig verschiedenen Ausführungen wählen. Die Shapes waren zumeist immer dieselben, aber unterschiedliche Qualitätsstufen, unterschiedliche Oberflächen und unterschiedliche Farben machten die Auswahl reichhaltig. So bekam man beispielsweise eine klassische Billard in rot gebeizt, in dunkelbraun, in hellbraun, in sandgestrahlt schwarz, in sandgestrahlt braun, in geöltem Finish, in Tanshell usw.

Und genau dieses Prinzip wird wiederbelebt. Es wird also zwölf verschiedene Pfeifenformen geben, die sage und schreibe in zwölf verschiedenen Finishes angeboten werden. Dazu zählen zum Beispiel: schwarz-glatt, dunkelrot, geöltes und mattes Finish, Tanshell, rubinrot-sandgestrahlt, Chestnut, Walnut, Terracotta, Virgin, Top Grains und vieles mehr. Also das Gegenteil von dem heutzutage üblichen „Eine Variante in Glatt, eine in Sand.“ Natürlich darf man bei so einer alten, englischen Marke keine Shape-Experimente erwarten. Die Pfeifen werden definitiv einen klassischen Touch haben. Dennoch – und das ist das Zugeständnis an die Moderne – werden die Pfeifen vorerst mit Acrylmundstück und 9mm Bohrung ausgeliefert. Die deutschen Pfeifenraucher dürfte dies sicherlich freuen.

Teilweise werden die Pfeifen Silberbänder und Montiereungen bekommen, die speziell nach den Vorstellungen der Firma Kopp angefertigt wurden.

Leider konnte allerdings kein Produzent mehr in Großbritannien gefunden werden, der Serienpfeifen im größeren Stil fertigen kann. So werden Barling Pfeifen also „auf dem Kontinent“ hergestellt.

Es ist noch nicht ganz sicher, wann die ersten Barlings im Handel auftauchen; als grobe Richtung gibt Oliver Kopp aber Juli 2021 vor. Preislich werden die Pfeifen vorraussichtlich zwischen 140- 220€ anzusiedeln sein.

Gute Neuigkeiten, meinen wir. Bei so viel Neuerscheinungen ist es doch schön, wenn alte Marken reaktiviert werden, um an Traditionen anzuknüpfen. Der Umstand, dass englische Marken jetzt unter deutscher Leitung stehen, dürfte ja schon aus dem Automobilbereich hinlänglich bekannt sein.

Wir halten Sie auf dem Laufenden und informieren Sie, sobald die Pfeifen in unserem Shop sind!

Alte Fotos entnommen von: https://pipedia.org/wiki/Barling

Zigarren über den „Personal Humidor“ bewerten

Ein Blick in unseren Onlineshop kann nicht nur den Einsteiger, sondern auch den gestandenen Aficionado überfordern: Die Auswahl scheint nahezu endlos zu sein, wächst unaufhaltsam weiter und so ist die Frage, nach der nächsten Zigarre, die unbedingt probiert werden muss, von zentraler Bedeutung.

Gut dass einem das ein oder andere Zigarrenmagazin wie das renommierte Cigar Journal oder das frisch auf den Markt gekommene Zigarren Magazin ein wenig Hilfestellung bieten und regelmäßige Ratings und Bewertungen veröffentlichen.

Zigarrenbewertung

So lässt sich doch häufig bereits eine Vorentscheidung treffen, welche Zigarre geschmacklich zusagen könnte.

Tasting La Mission

Die Tasting boards sind meist mit ausgewählten erfahrenen Aficionadas und Aficionados besetzt, aber auch Sie können Teil der „Tasting community“ sein! Zwar nicht in den Printmedien, dafür aber in unserem Shop. 

Sofern Sie über ein Kundenkonto verfügen, haben Sie die Möglichkeit, sich einen „Personal Humidor“ einzurichten, in den Sie Ihre Zigarren „einlagern“ und umfangreich und detailliert bewerten können. 

Cigarworld Private Humidor

Neben einer grundsätzlichen Eigenschaftsbewertung wie Stärke, Verarbeitung und Zugverhalten haben Sie auch die Möglichkeit, die verschiedenen Aromen detailliert aufzufächern.

Zur Zigarre im Beitrag

Private Humidor Bewertung

Diese Aromenbewertungen fließen dann in das charakteristische Aromenrad ein – einer komprimierten aber dennoch sehr aussagestarken Übersicht zum Geschmacksprofil der Zigarre.

Cigarworld Aromenrad

Selbstverständlich können Sie Ihre Bewertungen auch noch ein wenig Leben einhauchen: Ob kurz und prägnant oder sprachlich ausgeschmückt – über das Kommentarfeld haben Sie die Möglichkeit, Ihrer Bewertung auch noch einige oder mehr Worte folgen zu lassen.

Bewertungsübersicht

Vielleicht entdeckt der ein oder andere noch bisher unbekannte schriftstellerische Talente – über das Genießen schreiben macht definitiv Spaß! Und am Ende profitiert auch die gesamte Community davon: Je mehr Bewertungen vorliegen, umso besser findet man seine nächste Zigarre.

Bei der nächsten Zigarre neben Cutter und Feuerzeug einfach noch Notizblock und Stift einpacken und auf geht’s ;-)

 

Genussvolle Grüße und viel Spaß beim Bewerten,

Ihr Cigarworld Team

 

 

Aktuelle Betrachtungen zu einer Ikone der Pfeifengeschichte: Peterson

Nachdem wir uns in unserem letzten Blogbeitrag der englischen Marke Dunhill gewidmet haben, bewegen wir uns nun gedanklich etwas weiter westlich, nämlich nach Irland, genauer gesagt nach Dublin. Hier ist der Sitz der Firma Peterson Pipes, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Pfeifen in Irland produziert.

Das Unternehmen hat erst kürzlich einen Besitzerwechsel erlebt. 2018 wurde es vom amerikanischen Firmenkonglomerat „Laudisi Enterprises“ übernommen. Laudisi betreibt unter anderem die bekannte Website smokingpipes.com. Seit 1990 war Peterson im Besitz von Tom Palmer, der sich nun in den wohlverdienten Ruhestand begeben hat.

Pfeifenraucher weltweit sind Anhänger der Marke. Aber vor allem in den USA gibt es wahrhaft fanatische Sammler, die jede Peterson-Pfeife kaufen, sobald sie neu auf dem Markt erscheint. Die große Popularität in den USA hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass man dem irischen Erbe gerecht werden will, das in vielen Familien hochgehalten wird.

Nichtsdestotrotz wurde die Anhängerschaft immer wieder auf harte Proben gestellt. Vor allem die deutsche Kundschaft, die für ihren hohen Qualitätsanspruch bekannt ist, legte den Finger in die Wunde. So wurde in den letzten zehn bis 15 Jahren immer wieder bemängelt, dass Petersons bei den ersten Rauchgängen stark abfärben. Die Rede war von mangelhaften Bohrungen, zu viel Kitt oder unbrauchbaren Mundstücke. So spukt bis heute noch der Ratschlag in den Köpfen vieler Pfeifenraucher: „Kaufe keine Peterson, die du nicht tatsächlich selbst in der Hand hattest.“ Und sind wir ehrlich, können wir diese Skepsis gut nachvollziehen.

Aber die Probleme sind bekannt, und wir sehen definitiv Licht am Ende des Tunnels! Vieles hatte damit zu tun, dass es einen Generationswechsel in der Belegschaft gegeben hatte. Das Know-how wurde offenbar nicht immer zuverlässig weitergegeben. Auch gab es einen enormen Mangel an geeigneten Handwerken. Mittlerweile ist aber wieder die Sollstärke erreicht. Außerdem hat die Firma einen neuen Betriebsleiter, der sich um alle Fertigungsabläufe kümmert. Giacomo Penzo, selbst italienischer Pfeifenmacher, achtet nun auf alle Qualitätsaspekte einer Pfeife. Die neuen Mitarbeiter sind mittlerweile eingearbeitet, und jeder weiß, was zu tun ist. Als letzter Punkt – und dies ist der Maßgebliche, was die Ware betrifft, die den deutschen Fachhandel erreicht – seien die wachen Augen des deutschen Importeurs Kopp Pipes genannt. Oliver Kopp kontrolliert mit seinen Mitarbeitern jede eingehende Lieferung aus Dublin und sortiert im Zweifel auch aus. Was also derzeit an NEUER Ware im Fachhandel landet, sollte auf jeden Fall in Ordnung sein.

Ein weiterer Punkt sei noch erwähnt, der von Kritikern immer wieder vorgebracht wird. Meistens ist es der recht platte Einwand: „Peterson Pfeifen werden doch gar nicht mehr in Irland hergestellt.“ Und es wird darauf verwiesen, dass von irgendjemand berichtet wurde, sie würden jetzt in Spanien (wieso gerade Spanien?) oder neuerdings in China hergestellt. Nun, wir können natürlich nicht zweifelsfrei beweisen, dass es nicht so ist. Doch stellt sich die Frage, warum Peterson so viele neue Maschinen gekauft hat, wenn es doch viel einfacher wäre, Pfeifen in China zu bestellen? Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der Brancheninsidern zuweilen etwas fremd ist. Natürlich werden grob vorgearbeitete Köpfe bei allen möglichen Zulieferern hinzugekauft. Wo im Einzelnen, lässt sich natürlich nicht sagen. Nur eines: Dies ist absolut geläufige Praxis bei ALLEN Serienpfeifenherstellern und wird auch schon seit über 100 Jahren genau so praktiziert. Wir können auch nichts Verwerfliches daran finden. Niemand würde sich zum Beispiel darüber beschweren, wenn ein Teil einer Schweizer Uhr in Japan gefertigt würde. Oder Teile eines deutschen Autos aus Polen kommen. Oder britische Automarken deutsche Teile verbauen. Also sollte man sich als Pfeifenraucher der Realität stellen und von romantisierenden Bildern, die nie korrekt waren, Abschied nehmen.

Zur Modellpolitik und neuen Serien sei in jedem Fall erwähnt, dass Peterson durch die Investition in neue Geräte und Maschinen nun dazu in der Lage ist, wieder selbst sandzustrahlen. Man sieht es beispielsweise an sandgestrahlten Varianten der Peterson Sherlock Holmes Serie, die es jahrelang nicht gab und die nun nach und nach wieder im Fachhandel auftauchen. Auch neue Serien, sogar Pfeifen in Tanshell-Optik, sind zuweilen zu finden. Leider überwiegend bei der amerikanischen, firmeninternen Einzelhandelssparte. Solche attraktiven Spezialitäten werden offenbar lieber selbst vermarktet.

An dieser Stelle möchten wir jedenfalls die Gelegenheit nutzen, darauf aufmerksam zu machen, dass in den nächsten Tagen und Wochen einige neue Peterson Serien bei uns eintreffen werden. Außerdem waren wir vor einigen Jahren in der glücklichen Lage, einen größeren Bestand Peterson-Pfeifen aufzukaufen, die nun nach und nach den Weg in unseren Shop finden werden. Zum Beispiel auch Peterson Pfeifen mit echten Bernstein-Mundstücken aus den 30er Jahren. Bleiben Sie also gespannt und zünden Sie sich derweil eine „Pete“ an!

Vielen Dank an Oliver Kopp für die Fotos, und die Erlaubnis diese hier zu zeigen.

Understatement, Tradition, Klassik. Warum wir Dunhill Pfeifen (trotzdem) lieben

Wenn man sich als Pfeifenraucherin oder Pfeifenraucher mit dem Thema eingehender beschäftigt, stößt man wahrscheinlich zwangsläufig auf die Frage, was am Thema „Dunhill“ eigentlich dran ist. Besonders im Social-Media-Bereich tauchen immer wieder Fragen auf wie:

„Warum kostet eine dusselige, sandgestrahlte Billard mit Ebonitmundstück, und dann noch nicht mal mit Filter, so viel Geld?“

Oder auch:

„Rauchen sich Dunhill Pfeifen irgendwie besser als der Rest?“

„Ich finde Dunhill Pfeifen irgendwie langweilig, gibt’s die auch in bunt?“

Und als Fachmann muss man meistens weit ausholen, um diese Fragen einigermaßen befriedigend zu beantworten. Manche Fragen sind auch gar nicht zu beantworten, denn die Faszination für diese Marke ist wohl eher eine Gefühlsfrage als rational zu fassen.

Viel Faszination, die von der Marke ausgeht, liegt vor allem in der langen Tradition, die man mit ihr verbindet. Und wie sehr man als Pfeifenraucher für sie empfänglich ist. Natürlich schadet es auch nicht, wenn man etwas Anglophilie mitbringt.

Viel dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch dieses Zitat des Firmengründers, Alfred Dunhill, der die Philosophie seiner Marke hiermit beschrieb:

It must be useful. It must work dependably. It must be beautiful. It must last. It must be the best of its kind.“

Es gibt jedenfalls heute kein anderes Unternehmen in der Pfeifenbranche, dessen Geschichte sich über einen so langen Zeitraum nachverfolgen lassen kann. Dazu trägt sicherlich bei, dass man aufgrund der auf der Pfeife aufgebrachten Stempelungen sehr gut nachvollziehen kann, wann die Pfeife gebaut wurde. Wenn Sie also eine Pfeife Ihres Geburtsjahrganges suchen, werden sie mit Sicherheit bei Dunhill fündig.

Und die Geschichte dieses Unternehmens ist reichhaltig und wechselhaft. Sandgestrahlte Pfeifen, wie auch Ebonit als Mundstückmaterial, sind maßgebliche Erfindungen dieses Herstellers. Auch wenn Dunhill-Pfeifen aus markenrechtlichen Gründen heutzutage nur noch „The White Spot“ heißen dürfen, steht die heutige Firma in der Tradition des englischen Firmengründers von 1915.

Auch heute noch werden die Pfeifen in London hergestellt und eine überraschend hohe Stückzahl der Pfeifen mit dem weißen Punkt auf dem Mundstück verlässt die Werkshallen in alle Welt.

Dunhill Pfeifen sind in verschiedenen Oberflächen und Größen erhältlich. Dabei unterschiedet man zwischen sandgestrahlten und glatten Pfeifen. Alle Mundstücke sind aus Ebonit oder Cumberland.

Sandgestrahlt sind folgende Serien:

Shell Briar: Schwarz-sandgestrahlt mit schwarzem Mundstück

Ring Grain: Schwarz-sandgestrahlt mit besonders ausdrucksstarker Maserung und schwarzem Mundstück

Cumberland: Rötlich-braun-marmorierter Farbton, mit farblich passendem Mundstück

Shilling: Rötlich-braun-marmorierter Farbton, mit farblich passendem Mundstück und besonders guter Maserung

Ruby Bark: Kräftig roter Farbton mit schwarzem Mundstück

County: Mittelbrauner Farbton mit hellen Akzenten und marmoriertem Mundstück

Tanshell: Heller, nur geölter Farbton mit schwarzem Mundstück und ausgezeichneter Holzqualität. Selten!

Glatt sind diese Serien:

Bruyère: Klassisch rötlicher Farbton mit schwarzem Mundstück (die Urvariante)

Chestnut: Rötlich-braun mit marmoriertem Mundstück

Dress: Tiefschwarz mit 6mm Silberband und schwarzem Mundstück

Black Briar: Tiefschwarz mit breiterem Silberband oder anderen Applikationen und schwarzem Mundstück

Amber Root: Mittelbraun, warmer Farbton mit schwarzem Mundstück

Root Briar: Sehr heller, honigfarbener Farbton mit schwarzem Mundstück und ausgezeichneter Holzqualität.

Daneben gibt es selbstverständlich immer wieder Limited Editions oder Jahrgangspfeifen, die diesem System nicht immer entsprechen.

Dunhill teilt die Größen seiner Pfeifen in Gruppen ein, mit wenigen Ausnahmen von 1 bis 6. Dabei ist Gruppe 1 winzig klein und Gruppe 6 riesengroß.

Man kann an dem Stempel, der sich auf der Pfeife befindet, die Gruppierung herausfinden.

Außerdem trennt Dunhill bei den Formen. Jede Pfeifenform hat eine eigene Nummer.

Als Beispiel:

Eine Dunhill Shell Briar mit der Markierung „4103“. Er sagt uns, dass es eine schwarze, sandgestrahlte Pfeife ist, in der „mittleren“ Größe 4, mit der Shape Nummer 103 – was einer klassischen, geraden Billardform entspricht.

Hinter dem „Made in England“-Schriftzug befindet sich ebenfalls, wenn auch nur sehr klein, eine Markierung. Diese gibt Aufschluss über das Herstellungsjahr. Befindet sich dort also eine „15“, wissen wir, dass diese Pfeife 2015 hergestellt wurde, sieht man dort eine „09“, ist sie von 2009. Diese Einteilung gilt zumindest für neuere Pfeifen, früher wurde ein etwas anderes System verwendet.

Alle „The White Spot“-Pfeifen haben einen weißen Punkt auf dem Mundstück, der anzeigt, wo oben und unten ist. Kenner werden jetzt sagen, dass auch Vauen einen weißen Punkt verwendet. Dies ist korrekt, beide Hersteller haben sich schon im zwanzigsten Jahrhundert rechtlich darauf geeinigt, dies weiterhin zu tun, wobei der Punkt einer Vauen für den Export-Markt einen etwas gräulicheren Farbton hat.

Was die Holzqualität angeht, gibt es bei Dunhill keine Kompromisse. Zwar sind nicht alle Pfeifen aus dieser Manufaktur wahre Augenweiden, was die Maserung betrifft, aber das Holz ist sauber, frei von Einschlüssen oder Kitt sowie alt und trocken. Dies macht sich positiv beim Rauchverhalten bemerkbar.

Als Mundstückmaterial wird ausschließlich Ebonit verwendet, das zwar mit der Zeit oxidiert, aber einen wunderbar weichen Biss bietet. Das marmorierte „Cumberland“, das mittlerweile auch von anderen Herstellern verwendet wird, war übrigens eine Erfindung des Hauses Alfred Dunhill und auch Namensgeber des Materials. Nur Anfang der 2000er Jahre experimentierte man  tatsächlich auf dem deutschen Markt – mit Acryl als Mundstückmaterial. Mit dem Endergebnis, das diese Pfeifen häufig heute noch bei den Händlern als Ladenhüter liegen.

In der Regel sind Dunhill-Pfeifen ohne Filterbohrung. Dies weniger aus Überzeugung oder weil eine bestimmte Philosophie dahinter steckt. Der globale Markt erwartet dies einfach. Diese werden nach wie vor übrigens mit dem „Inner Tube“, einem Aluminiumröhrchen im Holm ausgeliefert. Dieses war vor der Erfindung des Pfeifenreinigers tatsächlich dazu gedacht, dass sich die Pfeife nicht mit Teerablagerungen zusetzt und somit unrauchbar wird. Einen rationalen Grund, warum dies heute noch beibehalten wird, gibt es also nicht. Es wird trotzdem als Tradition fortgeführt. Aber natürlich fertigt Dunhill auch 9mm Filterpfeifen, sie sind aber aufgrund der weltweiten geringeren Nachfrage seltener zu finden. Wir haben Dunhill-Filterpfeifen im Sortiment, wenn auch nicht viele.

Die Oberflächen sind nicht lackiert oder anderweitig mit Chemikalien behandelt, sondern nur mit Carnaubawachs poliert. Dies ist insofern eine Besonderheit, da selbst die schwarzen „Dress“-Pfeifen keinen Lackauftrag haben. Bei anderen Herstellern ist das üblich. Zwar wird die Oberfläche einer solchen Pfeife im Laufe der Jahre durchscheinend, doch dies nimmt man hin, weil man das Rauchverhalten nicht negativ beeinflussen will.

All das atmet den Geist britischen Understatements und Taditionsbewusstseins. Auch wenn Dunhill-Pfeifen nicht jedem gefallen oder nicht jeder so viel Geld in eine Pfeife investieren möchte. Doch die Marke hat ihre Anhänger, sogar echte Fans und Sammler. Für kaum eine andere singuläre Marke interessieren sich Pfeifenraucher mehr, investieren Zeit und nicht unerheblich viel Geld.

An der von einigen flüchtigen Beobachtern bemerkten „schlechteren“ Qualität können wir übrigens nichts feststellen. Was diese Beobachter möglicherweise nicht wissen, ist, dass Dunhill-Pfeifen dem Fachhandel immer als Einzelstücke angeboten werden. Für gewöhnlich bringt der Außendienstler seine Pfeifenkoffer in das Geschäft (Anm.: Heutzutage ersatzweise auch gerne per Videotelefonat), und der Händler sucht die Pfeifen aus. Er nimmt sie aus den Schatullen, und die Pfeifen verbleiben direkt im Geschäft. So sieht der Händler direkt, was er kauft, und kann eventuell nicht ganz so perfekte Exemplare direkt aussortieren.

Dunhill-Pfeifen, die Qualitätskontrollen nicht passieren, landen nicht im Verkauf. Sie bekommen einen „C“- und/oder „Not for Sale“- Stempel und werden an die Pfeife rauchende Mitarbeiterschaft verschenkt. Distributeure oder Fachhändler freuen sich auch über diese Pfeifen, denn sie sind einwandfrei rauchbar. Ausgerechnet diese Pfeifen sind kurioserweise bei Sammlern besonders begehrt.

Wenn Sie also ein Herz für Tradition und alte Techniken, eine Vorliebe für Dinge haben, die Generationen überstehen und weitergegeben werden, Sie möglicherweise eher zur mechanischen Uhr als zur Smartwatch greifen und sich mit Tweedsakkos und Wachsjacken eigentlich immer gut angezogen fühlen, dann haben Sie gute Chancen der Dunhill-Leidenschaft zu verfallen. Wir hätten da Inspirationen für Sie.