Holmer Knudsen. Mit Umweg zum Pfeifenbau.

Holmer Knudsen ist seit Jahren fester Bestandteil der Pfeifenszene.

Dabei war sein Lebensweg längst nicht darauf ausgerichtet, irgendwann einmal Pfeifenmacher zu werden. Holmer, dessen Name „Knudsen“ übrigens auf dänische Vorfahren hindeutet, war ursprünglich Verfahrenstechniker. Er war beschäftigt bei einem Großbetrieb der pflanzliche Stoffe extrahierte. Als dieser betriebsbedingt kündigte, musste sich Holmer zunächst einmal umschauen, wie es weiterging. Ein Freund machte ihn darauf aufmerksam das die Firma Dan Pipe in Lauenburg/ Elbe jemanden suchte, der sich um das Reparieren von Pfeifen kümmerte.

So kam das Eine zum Anderen. Holmer lernte schnell, und er lernte viel. Und es dauerte nicht lang, da baute er eigene Pfeifen. Als ein Pfeifenmacher in der Nähe von Flensburg seine Werkstatt schloss, griff er zu, und hatte auf einmal das Haus voller Maschinen und Werkzeug.

Was seinen Stil und seine Arbeitsweise aber maßgeblich beeinflusste war das Zusammenarbeiten mit Rainer Barbi, der jahrelang als Deutschlands bekanntester und erfolgreichster Pfeifenmacher galt. Hier hat er die Schritte und Kniffe gelernt, die aus einem Rauchinstrument ein Kunstwerk machen können. Holmer war es dann auch, der sich zusammen mit Rainer Barbis Witwe maßgeblich um den Nachlass gekümmert hat.

Die Zusammenarbeit und das Lernen mit und von anderen Pfeifenmachern, ist ein Thema das Holmer seit jeher begleitet. Denn ihn verbindet mit Hans „Former“ Nielsen eine Freundschaft, die über das übliche Arbeitsniveau hinaus geht. Sie teilen sich zum Beispiel einen Stand auf der Tabakwaren- Fachmesse „Intertabac“, wobei Formers Pfeifen nach zehn Minuten verkauft sind. Holmers Pfeifen brauchen zwar etwas länger bis sie verkauft sind, aber qualitätsmäßig stehen sie denen von Former in nichts nach.

Dabei gibt es sinnbildlich gesprochen eigentlich zwei Pfeifenmacher unter dem Namen Holmer Knudsen. Der eine, der nach Perfektion strebt, die beste Maserung, das beste Finish, und den perfektesten Biß. Das harmonischste Shaping und das fehlerfreiste Holz.

Der andere Holmer weiß um die wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Und baute schon tausende Serienpfeifen für eine Marke dessen Name an englische Autos erinnert. Auch kleinere Serien für Fachgeschäfte, Einkaufsverbände, oder seinen alten Arbeitgeber: Dan Pipe. So sind einige Pfeifenraucher vielleicht schon Besitzer einer Holmer Knudsen ohne es zu wissen.

Seine Werkstatt ist übrigens aktuell in dem selben Gebäude wie Dan Pipe/ Dan Tobacco untergebracht. Sogar ganz genau ein Stockwerk unter dem Ladengeschäft. Ziemlich idyllisch gelegen, direkt an der Elbe in einem alten Malzspeicher.

Aber abgesehen von den naheliegensten Abnahmequellen sind seine Pfeifen auch sehr beliebt in China, wo ein Großteil seiner Freehands verkauft wird. Dabei wird von seiner chinesischen Kundschaft immer wieder bemängelt, das nicht „Made in Germany“ auf den Pfeifen steht. „H Knudsen Handarbeit“ muss da aber genügen.

Holmer verwendet hervorragendes Bruyere, das er aus der Mittelmeerregion bezieht. Seine Pfeifen gibt es sowohl mit Acryl- wie auch mit Ebonitmundstück, ganz nach Kundenwunsch. Und auch ob eine Pfeife Platz für einen Filter haben soll ist für ihn zweitrangig.

In seiner Werkstatt kann Holmer alle Arbeitsgänge selbst ausführen, die zum bauen einer Pfeife nötig sind. Auch das sandstrahlen macht er selbst. So ist er außerdem unabhängig, abgesehen natürlich von seinen Holzlieferanten.

Durch seine „zwei Arbeitsarten“ ist Holmer allerdings nur schwer stilistisch zu charakterisieren. Seine „Halb- Serienware“ ist an klassischen Formen orientiert, gern robust und handfest, und darauf ausgelegt ein hervorragend gestaltetes Rauchinstrument herzustellen. Seine Freehands sind das krasse Gegenteil. Sie sind harmonisch und fließend organisch gestaltet, manchmal sogar grazil, und eifern den „Alten Meistern“ nach.Tolle Grains, absolute Spitzenpfeifen, echte „High Grades“. Der Vorteil dabei ist natürlich, das er Pfeifen für fast jeden Geschmack, und eigentlich für jede Brieftasche anbieten kann.

Dabei schaut er optimistisch in die Zukunft, und bleibt seiner Linie der Kooperation und des Lernens treu. Diesmal aber umgekehrt, denn der deutlich jüngere Henrik Kroll schaut ihm des öfteren über die Schulter. Was nicht heißt, das Holmer jedem Hobbybastler die Betriebsgeheimnisse auf die Nase bindet. Ein bisschen selbst arbeiten darf der Nachwuchs ja schon…

Wir freuen uns ein paar schöne Holmer Knudsen Freehands bei uns im Shop zu haben. Wir können sie Ihnen nur wärmstens empfehlen!

Übrigens, Holmer hat auch seine eigenen Tabakmischungen!

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Holmer Knudsen

 

Zu Besuch bei unserem „Pfeifendoc“ Christian Oehme Interview Teil 2

Das Format eines Interviews hatten wir in dieser Form hier noch nicht. Deswegen kurz zur Erklärung: Das Gespräch fand am 20.10.20 in der Werkstatt von Christian Oehme in Reinbek statt. Es wurde geführt von Christian Probst (Cigarworld), der Treibstoff war Kaffee aus der Kanne, sowie Latakia in der Pfeife.

Wir teilen das Interview in zwei Teile, weil es sonst einfach zu umfangreich wird. Der 1. Teil wurde am 23.10.20 veröffentlicht.

Der zweite Teil

Cigarworld: Sehr geehrter Herr Oehme, könnten Sie mir einmal einen neuen Filter einsetzen?.“ Gibt es solche Anfragen auch?“

Christian Oehme: (Lacht) „Ja, genau. Manchmal bekomme ich auch Pfeifen, wo noch immer der erste Filter drin steckt! Aber auf der anderen Seite bekommt man dann wieder Pfeifen zugeschickt, wo man sich fragt was überhaupt gemacht werden soll. Äußerlich vollkommen in Ordnung. Da hat man dann das Gefühl, die Leute würden die Pfeifen nochmal ordentlich säubern, bevor sie die Pfeife hier herschicken. Das sind dann die Aufträge, wo ich mich frage was der Kunde erwartet, wenn er die Pfeifen wiederkriegt. Da wird man dann unsicher. Die durchlaufen einen normalen Reinigungsprozess. Räumen, sauber machen, polieren. Das sind dann ausnahmsweise die Pfeifen, mit denen man auch schneller fertig wird. Es gibt aber durchaus auch Pfeifen wo ich eigentlich einen Aufschlag berechnen müsste, weil sie so dreckig sind“.

Cigarworld: „Bemerkst du, dass Pfeifenraucher Handmades oder Freehands besser behandeln, oder wird da kein Unterschied gemacht?“.

Christian Oehme: „Nein, die meisten machen da keinen Unterschied. Mir bricht da immer wieder das Herz, wenn ich da eine Handmade eines berühmten dänischen Pfeifenmachers bekomme, und man denkt, mein lieber Scholli, die war mal richtig teuer und wurde kaum gepflegt. Aber die bekomme ich dann auch wieder hin.

Cigarworld: „Wenn ein Endkunde oder Fachhändler dir eine Pfeife zum Aufarbeiten schickt, welche Infos und Hinweise wünschst du dir?

Christian Oehme: „Für uns ist es total wichtig, dass ein Formular oder ein Zettel  bei der Pfeife beiliegt. Viele schreiben eine Email, oder rufen an. Aber so kommt man durcheinander, oder es geht viel Zeit dafür drauf, die Infos wieder zusammen zu bringen. Ein Zettel mit Anschrift, Email-Adresse, Telefonnummer. Das brauchen wir unbedingt. Da hilft mir meine Frau- und ohne Sie wäre ich da echt aufgeschmissen. Sie kümmert sich auch um den Versand, die Logistik und die Abwicklung. Die Zahlungsmoral der Kunden ist übrigens sehr gut!“.

Cigarworld: „Bekommst du mehr Einsendungen von Privatleuten oder aus dem Fachhandel?“.

Christian Oehme: „Ich würde vermuten, der Anteil liegt in etwas bei 80% Privat und 20% Fachhandel. Also im Bereich Fachhandel ist durchaus noch Potenzial“.

Cigarworld: „Du bist ja von Hause aus Tischler, hast das Handwerk gelernt. Hast du denn auch schon Pfeifen gebaut?“

Christian Oehme: (holt halbfertige Pfeifen) „Ja, ich habe das mal probiert, aber mir fehlt da echt die künstlerische Ader, wenn ich ganz viel Zeit habe probiere ich das nochmal. Ich bin da eher Handwerker. Auch dieses Oberflächen- Gedöns…es muss nicht jeder Pfeifenbauer werden (lacht).

Cigarworld: „Wie lange hast du bei dem Spezialbetrieb für die Pfeifenreparatur gelernt?“

Christian Oehme: „Ungefähr zwei Jahre. Aber ich beschäftige mich nur mit dem Bereich Pfeife. Feuerzeuge ist da nochmal ein ganz anderes Thema, das ist echt hochspeziell. Was man da an Ersatzteile und Material bereithalten muss, das ist irre! Ganze Wandschränke voll mit einzelnen Fächern und Schubladen mit Schräubchen, Ventilchen, Dichtungen. Auch das Fachwissen was dafür benötigt wird, unglaublich“.

Cigarworld: „Hauptberuflich bist du ja im Rettungsdienst tätig, wie verträgt sich das mit deiner Tätigkeit hier?“.

Christian Oehme: „Zeit ist natürlich ein Problem, aber die Pfeifenreparatur ist für mich auch Ausgleich. Man kann sich zurückziehen, man kann für sich wurschteln. Aber teilweise macht es natürlich auch ein bisschen Druck, wenn größere Posten reinkommen“.

Cigarworld: „Kommen wir zu einer Frage die viele interessieren dürfte. Du bist ja selbst Pfeifenraucher, was rauchst du selbst gerne?“

Christian Oehme: „Ja, ich rauche zwar wenig, aber wenn, dann muss es was mit Latakia sein. Early Morning Pipe mag ich sehr gern. Ich habe mir von Kohlhase auf einem Event mal einen Beutel Latakia pur geben lassen. Wenn man daran riecht- das ist so geil! Germain’s Special Latakia Flake ist so der Standard auf den ich gerne immer wieder zurückkomme, der muss sein“.

Cigarworld: „Und was für Pfeifenshapes magst du am liebsten?“.

Christian Oehme: „Am liebsten Hörnchen! Am Anfang hat man natürlich alles gekauft, was einem annähernd irgendwie gefallen hat, aber mittlerweile kaufe ich eigentlich nur noch Pfeifen von Machern, die ich kenne. Und natürlich die Stanwell 145, da habe ich mittlerweile eine schöne Sammlung 145er, wenn ich da was sehe, werde ich schnell schwach. Da hatte ich neulich einen Kunden, der schickte eine 145 zum aufarbeiten. Und eigentlich macht man es ja nicht, aber ich fragte den Kunden ob er die Pfeife nicht in Zahlung geben möchte. Nach langem Hin und Her hat er sie dann hergegeben (lacht)“.

Cigarworld: „Gibt es Macher die du besonders schätzt?“.

Christian Oehme: „Ja, das ist für mich im Moment ganz klar CO Pipes. Was die Jungs abliefern, ist für mich ganz großes Tennis, und „State of the Art„. Besser gehts eigentlich nicht. Und Bibi Bischoff“.

Cigarworld: „Gibt es Pfeifenshapes die du als besonders robust erachtest, oder weniger robust?“.

Christian Oehme: „Ja, Hörnchen und Dublins sind da auf jeden Fall eher gefährdet durchzubrennen. Grundsätzlich Pfeifen mit unterschiedlicher Wandstärke sind eher nichts für Draußenraucher oder Autofahrer (holt ein Muster einer durchgebrannten Pfeife). Und hier sieht man auch was passiert, wenn man die Pfeife mit Jetflame- Feuerzeugen anzündet. Selbst neue Pfeifen brennen bei diesen Bunsenbrennern ganz schnell durch. Das Frage ich immer erst ab; „Was für ein Feuerzeug benutzen Sie“ Also wenn du mir ganz viele Kunden beschaffen willst, musst du das Feuern mit Jetflame- Feuerzeugen propagieren (lacht). Auch das Rauchen bis zum letzten Krümel ist nicht grade förderlich“.

Cigarworld: „Was hältst du von diesen „Salz- Alkohol- Methoden“ und anderen Varianten?“.

Christian Oehme: „Salz- Alkohol: Halte ich gar nichts von! Ich habe selbst alle Möglichen Methoden ausprobiert. Salz- Alkohol, Backofen, „Pipe- Retort“- mit dem verdampften von Alkohol- finde ich aus Sicherheitsaspekten hochgefährlich, am besten mit Feuerlöscher neben der Pfeife! Also bitte um Gottes willen diese Sachen sein lassen. Habe ich alles versucht. Bei Salz- Alkohol wird alles versaut, und man hat das Gefühl, das Kondensat noch tiefer eindringt. Bei dem erhitzen im Backofen passen dann nachher die Mundstücke nicht mehr, oder Applikationen lösen sich. Da ist die Ozonkammer einfach die beste, effektivste und sicherste Methode um üble Gerüche und Geschmäcker aus der Pfeife zu bekommen.“

Cigarworld: Vielen dank für den interessanten Einblick in deine Werkstatt!

  

Zu Besuch bei unserem „Pfeifendoc“ Christian Oehme Interview Teil 1

Das Format eines Interviews hatten wir in dieser Form hier noch nicht. Deswegen kurz zur Erklärung: Das Gespräch fand am 20.10.20 in der Werkstatt von Christian Oehme in Reinbek statt. Es wurde geführt von Christian Probst (Cigarworld), der Treibstoff war Kaffee aus der Kanne, sowie Latakia in der Pfeife.

Wir teilen das Interview in zwei Teile, weil es sonst einfach zu umfangreich wird. Nächste Woche gibt es dann den zweiten Teil.

Cigarworld: „Christian Oehme, wir sind in deiner Werkstatt, was genau machst du hier, und wie fing das alles an?“.

Christian Oehme: „Angefangen hat es damit, dass ich begann Pfeife zu rauchen und mich bei Ebay nach gebrauchten Pfeifen umgesehen habe. Gebrauchte Pfeifen müssen aufgearbeitet werden, also beschaffte ich mir Werkzeug. Wenn man bei eBay Konvolute kauft, will man nicht immer alle Pfeifen für sich selbst behalten. Also bietet man die fertig aufgearbeiteten Pfeifen wieder bei Ebay an. Irgendwann wurde das aber so viel, dass ich Angst hatte, dass irgendwann der Mann vom Finanzamt vorm Fenster steht und Geld haben will. Da habe ich dann ein Gewerbe angemeldet“.

Cigarworld: „Also eigentlich wolltest du dich vorrangig mit dem An- u. Verkauf von gebrauchten Pfeifen beschäftigen?“.

Christian Oehme: „Ja, so war das eigentlich geplant. Aber wir wissen ja wie das ist, es kommt immer anders als man denkt. Später habe ich hier im Reinbeker Käseblatt eine Stellenausschreibung gesehen, wo ein Spezialbetrieb eine Aushilfe für die Pfeifenreparatur sucht“.

Cigarworld: „Ok, dann hast du dort also das „Handwerk“ der Reparatur einer Pfeife gelernt?“.

Christian Oehme: „Ja, im wesentlichen schon. Dieser Betrieb macht eigentlich alle Arten von Reparaturen von Pfeifen und Feuerzeugen. Vor allem neue Mundstücke. Aber vieles habe ich mir selber angeeignet. Ich weiß gar nicht wie viele Stunden ich dafür vorm Rechner verbracht habe. Allein ein Rezept für die dusselige Einrauchpaste herauszufinden, das auch vernünftig ist, hat mich Tage gekostet. Ich bin da noch von der „alten Schule“ und suche mir die Infos selbst zusammen. Halte ich auch für besser und nachhaltiger. Viele Fragen ja heutzutage in Social Media und bekommen alle Arten von Antworten. Wenn man aber selbst ein bisschen recherchiert, kommt man viel effektiver ans Ziel. Wie zum Beispiel auch mit meiner Ozonkammer (deutet hinter sich)“. Anmerkung: Die Ozonkammer wird dazu genutzt unangenehme Geschmäcker und Gerüche aus gerauchten Pfeifen zu entfernen.

Cigarworld: „Und mit was für einem Equipment hast du dann deine ersten Versuche gestartet?“

Christian Oehme: „Das war so ein kleiner Polierbock, wie ihn Goldschmiede auch nehmen, in der Drehzahl verstellbar und viel, viel Handarbeit natürlich“.

——-Telefon klingelt——–

Christian Oehme: „Sorry, da muss ich wirklich grade mal ran gehen“. Er erfährt, dass er nicht zu einem spontan angesetzten Dienst erscheinen muss (Anmerkung: Er ist Hauptberuflich eigentlich beim Rettungsdienst tätig)

Er fährt weiter fort: „Ja, im wesentlichen viel Handarbeit und Zahnarztwerkzeug. Bis heute noch. Unglaublich, was für gute Dienste das Zahnarztwerkzeug schon geleistet hat und das ganze im Hauswirtschaftsraum bei mir im Wohnhaus. Dann kam zeitnah aber auch das Ding da (deutet auf kleine Drehmaschine), damit konnte man schon mal auf Filter umbauen, bisschen schleifen und so…“.

Cigarworld: „Ok, dann hattest du ja anfangs auch eine recht einfache Ausrüstung…Was für Schäden kannst du mit deiner jetzigen Werkstatt denn eigentlich wieder in Ordnung bringen?

Christian Oehme: „Hört sich doof an, aber eigentlich fast alles. Ich hatte erst neulich einen schlimmen Durchbrenner, bei dem ich im Prinzip den kompletten Boden erneuert habe. Abgebrochene Holme, Zapfen, neue Mundstücke. Auch Durchbeißer kann ich ganz häufig reparieren, da brauche ich dann auch kein neues Mundstück machen. Aber wo es schwierig wird, ist wenn du am Pfeifenrand, zum Zugloch einen Durchbrenner hast. Das ist dann häufig so dünn, das die Pfeife auch nach einer Reparatur nicht mehr haltbar ist“.

Cigarworld: „Was machst du in diesem Fall? Du rufst den Kunden an, und teilst Ihm mit es ist ein „wirtschaftlicher Totalschaden“?“.

Christian Oehme: „Ja, genau. Das ganze soll ja auch haltbar und rauchbar sein. Aber die Kunden sind dann sehr dankbar dass sie diese Rückmeldung von mir bekommen. Ich habe zum Beispiel einen Kunden, der raucht nur Giants, aber die richtig großen Dinger. Da passt schon eine Kinderfaust rein. Der schickte mir neulich eine Pfeife, wo der Boden total kaputt war. Er wünschte jedoch ausdrücklich, dass diese Pfeife repariert werden solle. Rauchen würde er sie nicht mehr, aber es war mal ein Geschenk, und da sitzt da ein emotionaler Wert drin. Das mache ich dann natürlich auch, wenn es der Wunsch des Kunden ist“.

Cigarworld: „Du hast jetzt unzählige Pfeifen repariert. Was für Pflegetipps würdest du unseren Pfeifenrauchern mit auf den Weg geben?“.

Christian Oehme: „Gut, ich kenne jetzt die Pfeifenraucher, die Ihre Pfeife wirklich kaputtpflegen. Die von innen regelrecht „kaputtgeräumt“ sind, oder einfach nicht schmecken wollen, weil sie andauernd „daran rumschrauben“. Dann gibt es noch die anderen, wo die Kohlekruste so dick ist, das man kaum noch Tabak in die Pfeife bekommt. Ein gesundes Mittelmaß sollte da eigentlich jeder finden. Und eine persönliche Bitte noch: Wenn ein Pfeifenraucher Filterpfeifen ohne Filterpatrone raucht, bitte ab und zu Filterkammer zu säubern. Was man da aus dem Filterzapfen rausholt- unglaublich. Wie das stinkt! Solche Pfeifen können gar nicht mehr schmecken!“.

Cigarworld: „Du siehst so viele Pfeifen von unterschiedlichen Herstellern. Kannst du da einen Hersteller ausmachen, wo du besonders gute oder schlechte Qualität siehst?“.

Christian Oehme: „Nein, am Hersteller lässt sich das wirklich nicht festmachen. Aber man bemerkt einen zeitlichen Verlauf. Ich rede jetzt von Serienpfeifen. So in den sechziger bis Anfang der neunziger Jahre, als es noch richtig viele Pfeifenraucher gab, da wurden qualitativ richtig, richtig gute Serienpfeifen hergestellt. Natürlich gab es auch einfachere Qualitäten, aber die Funktionsfähigkeit war eigentlich immer gegeben.  Wenn man sich heutzutage manchmal, nicht immer, Serienpfeifen anschaut, merkt man einfach das sie viel liebloser verarbeitet sind.

Und weiter: Aber ich bekomme allerlei Anfragen und Pfeifen zugeschickt. Teilweise richtig teuren Stücke, die auf dem Gebrauchtmarkt schon über 10.000€ gebracht haben. Da hat man dann natürlich noch eine ganz andere Körperspannung. Aber manchmal rufen die Kunden an und fragen, ob sich denn eine Reparatur noch lohnt. Da muss ich immer sagen, dass nicht immer der Preis entscheidet, sondern der Wert, und den kann nur jeder individuell für sich selbst benennen„.

Cigarworld: „Wenn die Pfeifenraucher dir jetzt Pfeifen zur Reparatur schicken und ein neues Mundstück brauchen, verlangen sie dann Acryl oder Ebonit?“.

Christian Oehme: „Ja, doch. Viele wollen heutzutage einfach ein Acrylmundstück, weil es nicht mehr anläuft. Da ist dann das Mundgefühl und die Haptik nicht mehr entscheidend, da steht  dann die Pflegeleichtigkeit im Vordergrund. Ich biete auch häufig an, das Mundstück zu reparieren, weil ich eigentlich immer den Anspruch habe, möglichst wenig an der Pfeife zu verändern. Aber oft wird das dann gar nicht gewünscht“.

Cigarworld: „Und wie würdest du das einordnen eher mit oder eher ohne Filter. Was bekommst du eher zu Gesicht?“.

Christian Oehme: „Ganz klar, mit Filter. Aber auch weil einige Ihre komplette Sammlung hier einschicken, mit der Bitte die Pfeifen für 9mm Filter aufzubohren. Also Filterumbau ist grundsätzlich ein großes Thema. Klar, die „Spezialisten“ weiterhin ohne. Oder auch „Opa Heinz“, dem das Thema eigentlich völlig egal ist“.

Der Zweite Teil folgt zeitnah.

 

Henrik Kroll, Pfeifenmacher. Oder: Alles auf eine Karte!

Henrik Kroll hat seine Werkstatt in Bienenbüttel (ja, das Örtchen heißt wirklich so), in der Nähe von Lüneburg. Er ist früh zur Pfeife gekommen, da sein Vater eigentlich schon immer Pfeifenraucher und Sammler war.

Da Henrik schon immer eine Affinität zu Holz und Handwerklichen Arbeiten hatte, informierte er sich im Internet darüber, was das Pfeifenbauen betrifft. Und im Frühjahr 2013 kaufte er sich seinen ersten Schleifbock, um mit dem sich am „Pfeifenbasteln“ zu üben. Über den Erwerb einer Drechselbank kam er dazu Plateauholz zu bearbeiten, und tiefer in die Materie einzusteigen.

So baut er seit 2014 komplett handgearbeitete Pfeifen. Auch die Mundstücke sind aus dem vollen gefräst, und komplett handgemacht.

Im Wesentlichen hat er alle Handgriffe als Autodidakt gelernt. Ein Mühsames Unterfangen, aber eine gute Grundlage um ein tieferes Verständnis für die Sache zu bekommen .

2018 lernte er den alteingesessenen Pfeifenmacher Holmer Knudsen kennen. Bei ihm konnte er wichtige „Kniffe“ und Tricks lernen, um Arbeitsprozesse weiter zu verfeinern. Holmer Knudsen stellte auch den Kontakt zu Hans „Former“ Nielsen her, einer wahren Pfeifenmacherlegende, und im Prinzip seit den 60er Jahren im Geschäft.

In den Werkstätten seiner „Mentoren“ konnte er mitarbeiten, lernen, und vieles „mit den Augen stehlen“. Ein unbezahlbarer Vorteil, denn im Bereich der Pfeifenherstellung ist Wissen und Know How eigentlich Alles.

Seit nun zwei Jahren hat Henrik alles auf eine Karte gesetzt. Mit seinen „zarten“ 30 Jahren ist er hauptberuflicher Pfeifenmacher. Er hat seinen alten Beruf an den Nagel gehängt, um sich voll und ganz, und in Vollzeit seiner Tätigkeit zu widmen. Seitdem baut er Tag für Tag Pfeifen.

Und bisher hat er nichts davon bereut. Denn seine Auftragsbücher sind voll. So voll, das es wahrscheinlich noch einige Zeit dauern wird, bis Sie neue Henrik Kroll Pfeifen bei uns im Shop finden werden.

Wir freuen uns Pfeifen von Ihm im Sortiment zu haben, und finden es toll, ihn weiter bei seiner Entwicklung begleiten zu können .