Wie kommt der Bambus an die Pfeife? Oder: Der Sparsame Sixten Ivarsson

Ihnen werden sie sicherlich schon aufgefallen sein. Pfeifen mit Bambus- Applikation am Holm. Mal mehr, mal weniger lang. Mal nahezu weiß, dann schmutzig- gelb, oder gar schokobraun bis schwarz.

Allzu häufig sind Bamboo- Pfeifen jedenfalls nicht auf dem deutschen Markt zu finden. Zum einen ist die Produktion deutlich aufwändiger als bei einer herkömmlichen Bruyere- Pfeife, zum anderen verfügen diese Pfeifen in der Regel über keine Filterbohrung. So bleibt es zumeist den Freehand- Pfeifenmachern überlassen sich auf diesem Gebiet auszutoben. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Und auch hier gilt: Bamboos sind Geschmachssache! Manch einer liebt sie, manch einer kann so gar nichts mit ihnen anfangen. Zu verspielt, zu auffällig, zu modern. Dabei haben Pfeifen mit Bambus- Applikation einen ziemlich rationalen Hintergrund.

 

Die Idee ist ganz klar Sixten Ivarsson zuzuordnen, dänischer Freehand- Pfeifenmacher der ersten Stunde, Design- Ikone und Tüftler.

Nach dem zweiten Weltkrieg war Bruyereholz in Dänemark echte Mangelware. Vor dem Krieg waren Pfeifen aus englischer und französischer Produktion in Dänemark dominierend, doch aufgrund der knappen Nachschublage machten sich allenthalben auch in Dänemark Werkstätten an die Arbeit Pfeifen aus einheimischen Hölzern zu fertigen. In dieser Zeit ist auch die Pfeifenmanufaktur Stanwell (Damals noch „Kyringe“ benannt) entstanden. Nach und nach kamen wieder Bruyere- Lieferungen in Dänemark an, auch wenn die Kanteln sehr teuer waren.

Was die ersten Bamboo- Pfeifen betrifft, gibt es zwei Legenden zur Entstehungsgeschichte. Die eine besagt, das Sixten Ivarsson sich in der Stanwell- Manufaktur aufhielt, um nach besonders schönen Hölzern für seine eigene Tätigkeit zu suchen, und um Designvorschläge zu besprechen. Er war schließlich einer der wichtigsten Designer, die Modelle für Stanwell entwarfen. Dabei fiel ihm auf, das vorgedrehte Pfeifenköpfe, die Risse oder Fehlstellen am Holm hatten weggeschmissen oder verfeuert wurden.

Das konnte Sixten Ivarsson nicht mit ansehen, und er nahm einige dieser Pfeifenköpfe mit in seine Werkstatt, um zu sehen was noch aus ihnen zu machen ist. Kurz danach tauchen tatsächlich Pfeifen mit Bambusapplikation in den Katalogen der Firma Stanwell auf.

Die andere Variante der Legende besagt, das Sixten Ivarsson seit Kriegstagen gewohnt war sehr sparsam mit seinen Materialien umzugehen. Außerdem war das erst kürzlich wieder importierte Bruyereholz sehr teuer. Und so erschien es nur logisch, sich Gedanken darüber zu machen, wie man aus einem Bruyereholzkantel die optimale Menge verwendbaren Holzes herausarbeiten kann. Entweder fertigt man aus einem Kantel EINE Pfeife mit herkömmlichem Bruyereholm, oder man fertigt ZWEI bis DREI Köpfe mit nur sehr kurzem Holm, und verlängert diesen mit einer Applikation- zum Beispiel Bambus!

Wieso nun ausgerechnet Bambus als Material ausgewählt wurde, um die Pfeifen ansehnlich und benutzbar zu machen ist nicht überliefert, doch es ist anzunehmen das auch hier die relativ einfache Verfügbarkeit und die einfache Verarbeitung eine Rolle spielten.

Dem Pfeifenraucher bieten Pfeifen mit Bambusapplikation neben der außergewöhnlichen Optik auch den Vorteil, das sie recht leicht sind, und das Bambus ein Material ist, das viel Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Heutzutage werden Bamboo- Pfeifen immer noch hin und wieder als Einzelstück von Stanwell angeboten, doch auch der japanische Hersteller Tsuge schätzt das Material sehr. Er ist auch einer der wenigen Hersteller, die Bamboo- Pfeifen mit 9mm anbieten.

Auch der bekannte Poul Winslow verwendet Bambus gerne als Material für seine weniger bekannten filterlosen Pfeifen. Häufig greift er auf das seltene „Black Bamboo“ zurück, das sich wunderbar harmonisch in die Gesamtkomposition einfügt.

Pfeifen des jungen Dänen Jon Vesterholm sind in Deutschland exklusiv bei Cigarworld erhältlich, und der Macher ist ein Anhänger der dänischen Klassik. Viel Experimente und ausgefallene Formen wird man bei ihm nicht finden, doch Pfeifen mit Bambusapplikation gehören selbstverständlich zum Klassischen Repertoire.

Wir können Ihnen in jedem Fall Bamboo- Pfeifen als angenehme Abwechslung empfehlen. Sie sind besonders geeignet für Pfeifenraucher, die Ihre Pfeife gerne über einen längeren Zeitraum zwischen den Zähnen tragen. Und Flakes rauchen sich aus diesen relativ kleinen Pfeifen ganz hervorragend!

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