Pfeifenmundstücke. Beschaffenheit und Materialien

Neben guter Holzqualität ist auch das Mundstück einer Pfeife nicht zu vernachlässigen. Es ist sozusagen die „Schnittstelle“ zwischen Pfeifenkopf und Raucher, und von seiner Qualität und Beschaffenheit hängt ein Gutteil der Rauchqualität einer Pfeife ab. Für viele Freehand-Pfeifenmacher ist die Herstellung eher ungeliebte Arbeit, doch ist es nicht gut genug ausgeformt, zu dick, asymmetrisch oder zu hart, hat man wenig Freude beim Rauchen der Pfeife.
Es gibt verschiedene Materialien, die heutzutage in der Pfeifenherstellung Anwendung finden. Auf die gebräuchlichsten Materialien wollen wir nun näher eingehen.


Am häufigsten wird heutzutage Acryl verwendet. Das Material hat entscheidende Vorteile:

  • Es verfärbt sich bei längerer Benutzung nicht.
  • Es bleibt auch über längere Zeit in der Auslage der Pfeifenhändler ansehnlich und glänzend.
  • Acryl ist relativ hart, damit nur schwer durchzubeißen und robust.

Die Nachteile sollen aber auch Erwähnung finden:

  • Der Biss ist vergleichsweise dick, und damit für viele Pfeifenraucher nicht so angenehm im Mund zu halten.
  • Acryl ist relativ spröde, dadurch sind nur bestimmte Formen und Biegeradien möglich.

Durch seine gute Verarbeitungsfähigkeit auf Drehmaschinen und CNC-Fräsen wird dieses Material vorzugsweise bei Serienpfeifenherstellern verwendet. Es werden auch Mundstückrohlinge aus Acryl angeboten, die dann nur noch ein wenig für die individuelle Pfeife angepasst werden müssen.

Dennoch schaffen es einige Freehand- oder Handmade-Pfeifenmacher ein Acrylmundstück so zu bearbeiten, dass es nicht zu dick und angenehm im Mund zu halten ist. Poul Winslow und Castello sind hier insbesondere zu nennen.

Pfeifenrauchern, die sich gern mit älteren Pfeifen beschäftigen oder die Vorzüge des Materials für sich entdeckt haben, ist Parakatuschuck oder auch Ebonit (gemeint ist dasselbe) schon ein Begriff.

Auch hier wollen wir kurz auf die Vor- und Nachteile eingehen.

Vorteile:

  • Die Mundstücke können deutlich dünner ausgearbeitet werden.
  • Außerdem sind diese deutlich weicher im Biss, somit angenehmer im Mund zu tragen.
  • In der Formgebung sind dem Pfeifenmacher fast keine Grenzen gesetzt, es ist sehr bearbeitungsfreundlich.

Die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden:

  • Ebonitmundstücke verfärben sich bei längerer Benutzung, das sogenannte „Anlaufen“.
  • Bei längerer Zeit in der Auslage der Pfeifenhändler verfärben sich die Mundstücke ebenfalls, und werden beige-grau.
  • Sie sind leichter durchzubeißen und allgemein weniger robust.

Grundsätzlich gilt, das Ebonit das „natürlichere“ Material ist. Es besteht im wesentlichen aus vulkanisiertem Kautschuck. Durch Oxidation treten allerdings Schwefelbestandteile an die Oberfläche, und das Mundstück bekommt seine charakteristische Verfärbung. Der Kontakt mit Speichel verstärkt diesen Effekt.

Pfeifenmacher und fortgeschrittene Pfeifenraucher schätzen trotzdem sein angenehmes Mundgefühl. Vor allem hochwertige Freehands und Pfeifen aus englischer Produktion verwenden heutzutage dieses Material.

Wenn man die Vorteile dieses Material zu schätzen weiß, besorgen sich viele Pfeifenraucher eine Ausrüstung um Ebonitmundstücke regelmäßig wieder ansehnlich zu polieren.


Polierscheiben, Maschinen und Polierwachse sind im Fachhandel erhältlich. Wenn man selbst zwei linke Hände oder schlicht keine Zeit oder Lust zum Polieren der Pfeifen hat, kann man die Pfeifen auch zu einem Fachmann geben, der sich bestens um seine geliebten Stücke kümmert. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von Christian Oehme, der seinen Service auf www.der-pfeifenputzer.de anbietet. Auch neue Mundstücke werden hier individuell angefertigt und Pfeifen repariert.

Einen kleinen Eindruck wie gerauchte Pfeifen mit Ebonit aussehen, sollten Sie hier bekommen:


Nach kurzer Bearbeitung an der Poliermaschine kann die Pfeife dann auch wieder so aussehen:


Natürlich gibt es noch weitere Mundstückmaterialien. Dazu gehört das wunderschön marmorierte Cumberland, das im Wesentlichen eine eingefärbte Variante des Ebonits ist. Es hat eigentlich dieselben Eigenschaften und verfärbt sich nicht ganz so schnell:


Verwendet wird dieses Material häufig bei hochwertigeren englischen und französischen Pfeifen, außerdem bei Freehands.

Bei der Aufzählung der Mundstückspielarten darf der Lippenbiss, auch „P-Lip“ genannt, nicht fehlen. Dieses Mundstück hat den Vorteil, dass der Rauch nicht direkt auf die Zungenspitze, sondern oben an den Gaumen gelenkt wird. So hat gerade der Anfänger den Vorteil, Zungenbrand zu vermeiden, und der Kenner schätzt, wie praktisch sich diese Mundstücke zwischen den Zähnen halten lassen. Ursprünglich hat Peterson dieses Prinzip erfunden, und Vauen bietet heutzutage fast alle Modelle wahlweise mit Lippenbiss oder herkömmlichem Mundstück an. Seltener findet man diese Variante bei Savinelli oder Hilson:

Grundsätzlich gibt es Mundstückvarianten für jede Art von Pfeifenraucher. Es gibt auch hin und wieder noch Mundstücke aus Horn, das allerdings sehr empfindlich ist.

Finden Sie es selbst heraus – sind Sie eher ein Ebonit oder Acryl-Fan?

 

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